Der Meister der großen Musicals

Interview mit Tim Rice

Jesus Christ Superstar - das Rockmusical begeistert seit 45 Jahren das Publikum. Im April kommt die ursprüngliche Produktion von Tim Rice und Andrew Lloyd Webber ins Colosseum Theater nach Essen. Im Interview erzählt Tim Rice, warum man sich die Show nicht entgehen lassen sollte.

LONDON

, 09.02.2016, 18:03 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der 71-Jährige Tim Rice hat die Texte zu zahlreichen Film- und Musicalsongs geschrieben, unter anderem zu „Jesus Christ, Superstar“.

Der 71-Jährige Tim Rice hat die Texte zu zahlreichen Film- und Musicalsongs geschrieben, unter anderem zu „Jesus Christ, Superstar“.

Mit Jesus Christ Superstar hatte Tim Rice 1971 das Unerhörte gewagt. Gemeinsam mit Andrew Lloyd Webber schrieb der heute 71-Jährige ein Musical über Jesus Christus - die beiden landeten einen Welterfolg. Vom 5. bis 10. April kommt die offizielle Produktion ins Colosseum Theater Essen. Im Gespräch mit Natasa Balas erzählt der Oscarpreisträger Tim Rice, was ihn an der Passionsgeschichte interessiert und woran er aktuell arbeitet.

Warum haben Sie damals die Passion Christi als Thema für ein Musical gewählt? Es ist eine gute Geschichte, und jedes Stück oder Musical braucht so eine. Ich wollte die Geschichte aber aus Sicht des Judas erzählen – das macht wohl den kleinen Unterschied aus.

Inzwischen sind viereinhalb Jahrzehnte vergangen, seitdem Sie das Musical geschrieben haben. Würden Sie heute etwas daran ändern? Nicht wirklich. Hier und da gibt es ein paar Dinge, mit denen ich nicht ganz glücklich bin – ich habe in der Zwischenzeit auch schon ein paar Dinge geändert. Aber ich glaube, es wäre ein Fehler etwas zu verändern, dass sich bewährt hat und schon so lange erfolgreich ist. Und wer weiß, ob es so gut geworden wäre, wenn ich es heute schreiben würde?

Welcher ist Ihr Lieblingscharakter in der Geschichte? Ich habe keinen Lieblingscharakter. Ich war aber schon immer an Pontius Pilatus interessiert. Ich habe manchmal gedacht, dass auch seine Sicht der Dinge interessant gewesen wäre. So hätten wir auch eine interessante Diskussion zwischen Pilatus und Jesus bekommen können. Insgesamt sehe ich die Arbeit als Ganzes, mit guten und weniger guten Einzelteilen. Einen Lieblingscharakter habe ich nicht, aber das von Judas gesungene Lied „Heaven on their minds“ ist eines meiner Lieblingslieder.

Gibt es denn etwas, das wir heute aus der Geschichte lernen können? (lacht) Das ist eine gute Frage. Ich vermute, man kann eine ganze Menge lernen. Die Geschichte handelt von Freundschaft, Scheinheiligkeit und Verrat. Es geht darum, wie Menschen in Situationen, die sie nicht verstehen, reagieren. Wenn man etwas aus der Geschichte lernen kann, dann, dass sich die menschliche Natur nicht verändert hat und sich niemals ändern wird.

Warum sollten wir uns die Inszenierung mit Glenn Carter als Jesus in Essen anschauen? Glenn Carter hat den Jesus schon oft gesungen, und er ist in dieser Rolle einer der besten Darsteller, den wir je hatten. Er ist ein guter Schauspieler und ein fantastischer Sänger. Ich habe ihn am Ende der Tour in England gesehen, und ich war überhaupt nicht enttäuscht: Er ist genau so gut, wie er immer war.

Das Theater Dortmund hat das Musical im vergangenen Jahr mit Alexander Klaws als Jesus gezeigt. Haben Sie davon gehört? Ich glaube nicht. Es klingt wahrscheinlich arrogant, aber es gibt sehr viele Inszenierungen des Musicals.

In Dortmund war die Produktion sehr erfolgreich.

Das freut mich sehr. Das sind immer gute Nachrichten.

 

Woran arbeiten Sie gerade? Ich arbeite im Moment an dem Musical „From here to eternity“. Der Stoff basiert auf einem Roman von James Jones und wurde 1953 sehr erfolgreich mit Burt Lancaster und Frank Sinatra verfilmt. Die Geschichte spielt auf Hawaii, kurz bevor die Japaner Pearl Harbor angegriffen haben.

Wann wird es zu sehen sein? Wir haben das Musical bereits in London gezeigt, und ich überarbeite es gerade, weil es ein schwieriger Stoff ist. Im Juni wollen wir es dann in New York zeigen, aber noch nicht am Broadway. Abgesehen von Ihren eigenen Arbeiten – welches Musical haben Sie zuletzt gesehen? Ich habe „Guys and Dolls“ in London gesehen. Es ist wirklich sehr gut und ist eins der besten Musicals überhaupt, mit großartigen Songs.

Sie sind mit Oscars und Tonys ausgezeichnet worden. Fehlt in Ihrem Regal noch etwas? (lacht) Ich bin natürlich begeistert, dass ich mit so vielen Auszeichnungen geehrt worden bin. Aber sie befinden sich nicht in einem Regal, sondern in einem Schrank.

Fehlt denn darin noch eine Auszeichnung? Nein, mir fällt nichts ein, was noch fehlen würde. Ich habe wirklich Glück. Eine letzte Frage: Sie haben schon sehr häufig mit dem Komponisten Andrew Lloyd Webber zusammengearbeitet.

Sind Sie befreundet? Ja, wir haben zwar schon lange nicht mehr an einem großen Projekt zusammengearbeitet, aber wir sehen uns häufig.

Sie verbindet also eine lebenslange Freundschaft? Oh ja, das ist wirklich so (lacht). Es ist mehr noch wie eine Ehe.

 

Termine: 5. bis 10. 4., Di-Fr 20 Uhr, Sa 15 und 20 Uhr, So 14 und 18 Uhr im . Karten: Tel. (0209)1477920.

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