Der VfL Bochum und die Nazis: Fanprojekt arbeitet NS-Vergangenheit auf

hzAusstellung im Stadtarchiv

In der Ausstellung „Unsere Heimat, unsere Liebe ...“ thematisiert das Bochumer Stadtarchiv die NS-Vergangenheit der Stadt und die Rolle des VfL Bochum.

Bochum

, 05.10.2020, 16:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast zeitgleich mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 entstand der Verein VfL Bochum aus dem Zusammenschluss von drei lokalen Sportvereinen. Die Ausstellung „Unsere Heimat, unsere Liebe...“ im Stadtarchiv Bochum zeigt ab Dienstag (6. Oktober), warum das kein Zufall war.

Fans entwickeln Konzept

Die vom Fanprojekt Bochum entwickelte Ausstellung präsentiert auf 20 Tafeln, mehreren Wänden und in Videobeiträgen die Stadt und den VfL Bochum in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945.

„Über 20 Fans haben sich im letzten Jahr intensiv bei der Konzeption eingebracht“, berichtet Florian Kovatsch vom Fanprojekt. Der Name der Arbeitsgemeinschaft „1938, nur damit es jeder weiß“ entstand in Anlehnung an den Fangesang „1848, nur damit es jeder weiß“, der bei jedem Spiel im Bochumer Ruhrstadion zu hören ist.

Auf 20 Tafeln und mehreren Messewänden wird die Geschichte des VfL Bochum während des Nationalsozialismus skizziert. Multimediale Elemente ergänzen die Ausstellung.

Auf 20 Tafeln und mehreren Messewänden wird die Geschichte des VfL Bochum während des Nationalsozialismus skizziert. Multimediale Elemente ergänzen die Ausstellung. © Dennis Görlich

Neben dem VfL Bochum wird in der Ausstellung auch der letzte Fußballmeister des jüdischen Verbandes vorgestellt und das tragische Schicksal der Mitglieder der Meistermannschaft skizziert.

Die Ausstellung eröffnet im Rahmen der Fußballkulturtage NRW. Finanziert wird die Schau unter anderem mit Mitteln des Bundesprogramms „Farbe bekennen - Demokratie leben“.

Für Antisemitismus und Rassismus sensibiliseren

„Es ist nicht nur eine Ausstellung für Fußballfans“, verrät Kai Rawe, Leiter des Stadtarchivs. Vielmehr richte sie sich speziell an Jugendliche und junge Erwachsene. Diese sollen für das Thema Antisemitismus und Rassismus sensibilisiert werden. Mithilfe von QR-Codes können sich die Besucher geschichtsträchtige Orte in Bochum auf ihr Smartphone holen.

Eine Diskussion, die in der Ausstellung aufgegriffen wird, ist die Schlussstrich-Debatte um die NS-Vergangenheit. „Solange Hakenkreuze und antisemitische Parolen in der Stadt zu sehen sind, können wir keinen Schlussstrich ziehen“, ist Florian Kovatsch überzeugt.

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Auch die Behauptung, Fußball habe mit Politik nichts zu tun, lässt Kovatsch nicht gelten: „Natürlich ist das ein Narrativ (eine Darstellung, d. Red.), das häufig von Rechten verbreitet wird. Fußball und Politik sind seit jeher untrennbar miteinander verbunden.“ Das wird auch in der Ausstellung deutlich.

Als Wanderausstellung an Schulen

Ab Februar 2021 wird „Unsere Heimat, unsere Liebe ...“ als Wanderausstellung fortgesetzt und zum 700-jährigen Bestehen der Stadt Bochum an verschiedenen Orten präsentiert. „Wir wollen mit der Ausstellung dann in die Schulen gehen“, verrät Florian Kovatsch. Aber auch andere gut frequentierte Orte seien als Ausstellungsort denkbar.

Eintritt frei

Ausstellung im Stadtarchiv

Die Ausstellung „Unsere Heimat, unsere Liebe ...“ ist vom 6.10.2020 bis 31.01.2021 im Stadtarchiv Bochum, Wittener Straße 47, zu sehen. Öffnungszeiten: Di-Do 10-18 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen unter: www.bochum.de/stadtarchiv
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