Die 40-Grad-Marke wurde im Westmünsterland am 25. Juli 2019 geknackt

hzWetter 2019

Am 25. Juli 40,1 Grad im Westmünsterland: Das Jahr 2019 war das drittwärmste, seitdem Daten aufgezeichnet werden. Das hat der Bocholter Hobby-Wetterkundler René Fischer festgehalten.

von Horst Andresen

Kreis Borken

, 03.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Jahr 2019 war das drittwärmste im Westmünsterland seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Spitzenreiter ist 2014 vor 2018. Diese Zahlen gab am Donnerstag Hobby-Wetterforscher René Fischer aus Bocholt auf Anfrage bekannt. Der Lehrer für Biologie und Chemie beschäftigt sich seit 2004 mit dem Klima dieser Region.

Jetzt lesen

Wärme: „Das Jahr 2019 geht als ein sehr mildes, trockenes und sonniges Jahr in die Klimastatistik ein“, bilanziert Fischer. Die mittlere Temperatur lag im vergangenen Jahr bei 11,7 Grad und damit um 1,2 Grad höher als das langjährige Mittel (1981 bis 2010). „Damit liegt 2019 auf Platz drei in der Rangfolge der wärmsten Jahre in der Klimastatistik“, nennt Fischer die genauen Zahlen. Nur 2014 (12,0 Grad) und 2018 (11,9 Grad) waren im Durchschnitt noch wärmer.

Der Sommer war der zweitheißeste nach 2018

Die Werte der Monate von Mitte Juni bis August belegen, dass der Sommer der zweitheißeste nach 2018 war mit 53 Sommertagen (jeweils 25,0 Grad oder mehr). 2018 hatte es gar 89 heiße Tage gegeben. Die mittlere Temperatur lag in dieser Zeit bei genau 20,0 Grad – nur 0,3 Grad unter dem Sommer 2018 und vor 2003.

Mit 36,2 Grad wurde am 25. Juni ein neuer absoluter Juni-Rekord verzeichnet. Juli und August brachten überdurchschnittliche Temperaturen. Der heißeste Tag des Jahres war der 25. Juli mit 40,1 Grad – Höhepunkt einer ungewohnt heißen Woche.

17 Tage war es über 30 Grad warm, vier Tage heißer als 35 Grad

Zu den 53 Sommertagen (ab 25 Grad; Mittel: 34), zählen 17 heiße Tage (ab 30 Grad; Mittel: sieben), vier sehr heiße Tage (ab 35 Grad; Mittel: null) und acht Tropennächte (Nächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlte; Mittel: zwei). Letzterer Wert ist laut Fischer ein neuer Rekord nach zuvor maximal sieben Tropennächten im Jahr 2006. Bei den Sommertagen bedeutet der Wert Platz vier (nach 2018, 1947 und 2006) in der Statistik fürs Westmünsterland. Demgegenüber stehen 31 Frosttage (Mittel: 52) und nur ein einziger Dauerfrosttag (Mittel: zehn).

Die Daten entnimmt René Fischer seiner Messstation im Garten der Eltern in Bocholt. Die Werte sind gleichwohl auf den Kreis Borken übertragbar.

Tornado richtet Schaden in Millionen-Euro-Höhe an

Tornado: Fischer geht in seinem Jahresbericht auch auf eine Besonderheit in Bocholt ein, die großen Schaden verursachte – ein Tornado der Stärke F 2 (rund 180 bis 250 km/h), der am späten Abend des 4. Juni über das nordwestliche Bocholter Stadtgebiet zog und große Zerstörungen verursachte. Es entstand ein Schaden in Millionen-Euro-Höhe. Rund 100 Bäume wurden innerhalb von nur 45 Sekunden entwurzelt, zahlreiche Dächer abgedeckt.

Jetzt lesen

Niederschlag: Mit einer gesamten Niederschlagsmenge von 716,7 Litern pro Quadratmeter blieb das Jahr 2019 deutlich unter dem langjährigen Mittel (812). Extrem trocken war es dabei von Anfang April bis Ende Juli. Es fielen nur 107,5 Millimeter Niederschlag. Das entspricht 42 Prozent des langjährigen Mittelwerts (256 mm). „Sehr nasse Monate mit über 100 Millimetern traten nicht auf“, berichtet Fischer in seiner Bilanz.

Im Oktober hat es am meisten geregnet

Die nassesten Monate waren der Oktober (96,8 mm), der Dezember (90,6 mm) und der März (89,4 mm). „Da die Defizite größer waren als die Überschüsse und die Trockenheit von 2018 noch hinzukommt, sind die Bodenschichten immer noch zu trocken“, sagt der Bocholter.

Die Grundwasserbestände seien „nach wie vor defizitär. In tiefen Schichten ist es trocken. Das macht den Wäldern zu schaffen.“ Wenn jetzt mal wieder „eine Pfütze auf den Äckern steht, ist das nur Oberflächenfeuchtigkeit und hat nichts zu sagen“. Fischer: „Die seit rund eineinhalb Jahren andauernde Dürre ist noch nicht beendet.“

Eiskalter Winter nicht in Sicht

Kälte: „Ein eiskalter Winter ist nicht in Sicht“, sagt René Fischer. Es werde aktuell milder mit Regen, „aber nicht richtig winterlich“. Der allgemeine Klimawandel zeige „Väterchen Frost“ eher die warme denn die kalte Nase.

Prognose: Die kann und möchte auch der Bocholter Wetterkundler nicht geben. „Das ist Raterei.“ Es könne gleichwohl sein, dass sich „die Tendenz hin zum wärmeren Klima durchsetzt“. Stabile Hochdruckgebiete hätten hierzulande im Ganzen gesehen die Jahre 2018 und 2019 geprägt. Fischer: „Es ist die Frage, ob sich das Wetter komplett umstellt. Das lässt sich nicht vorhersagen und wäre Kaffeesatzleserei.“

Lesen Sie jetzt