Die Berlinale taucht in den Nahen Osten

Erster Wettbewerbstag

Die Berlinale taucht am ersten Wettbewerbstag in den Nahen Osten - mit Jafar Panahis "Taxi" und Werner Herzogs "Queen of the Desert". Während der Regisseur und Hauptdarstellerin Nicole Kidman am Freitag ihren Film präsentierten, konnte der Iraner Panahi nicht nach Berlin kommen.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 06.02.2015, 18:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die australische Schauspielerin Nicole Kidman und Regisseur Werner Herzog am Freitag in Berlin

Die australische Schauspielerin Nicole Kidman und Regisseur Werner Herzog am Freitag in Berlin

Jafar Panahi hat eine Kamera in seinem Auto. Mit der filmt er, wer zusteigt, während seiner Fahrt durch Teheran. Skurrile Gestalten wie ein Videohändler, der mit Raubkopien dealt und schon die neuste Staffel von „The Walking Dead“ im Sortiment hat. Oder Panahis Nichte, eine Filmstudentin, die ihm vorliest, welchen Regularien ihr geplantes nächstes Werk unterliegt.

Subversives Unternehmen

Ein positives Bild des Iran zeigen, bitte! Und auch Panahis Anwältin setzt sich in dieses Taxi. Denn der iranische Regisseur, den alle gerne auf der Berlinale begrüßt hätten, ist in seiner Heimat immer noch mit Berufs- und Ausreiseverbot belegt. Insofern ist „Taxi“ ein subversives Unternehmen – und für Panahi, den Darsteller seiner selbst nicht ohne Risiko. Gut möglich, dass dieser Film, der oft improvisiert wirkt, dessen Stimmung zwischen absurdem Witz und flackernder Verfolgungsangst kippt, schon ein Kandidat für den Goldenen Bären ist.

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Das ist die Gegenwart im Nahen Osten. Wie dessen politische Landkarte in der Vergangenheit entstanden ist, nimmt sich wiederum der deutsche Regisseur Werner Herzog zum Thema. In „Queen of the Desert“, einem bildstarken Melodram, erzählt er von Getrude Bell (Nicole Kidman). Die war als Agentin des britischen Geheimdienstes anno 1920 entscheidend an der Neuordnung der Arabischen Welt beteiligt.

Unglückliche Liebschaften

Wir erleben Bell als selbstbewusste bis starrsinnige Frau, die nur unglückliche Liebschaften hat (mit Damian Lewis aus „Homeland“ und Hollywood-Exzentriker James Franco). Die den jungen Lawrence von Arabien trifft (gespielt von Robert Pattinson). Und die vor allem die einzige ist, die sich auf die  Mentalität der Beduinen einzulassen versteht. Bell, auch auf dem Kamel fest im Sattel, wird die Königsmacherin in einer fragilen Region.

„Ich hätte schon früher Filme über große Frauen drehen sollen“, bekannte Regisseur Herzog (einst der Klaus-Kinski-Dompteur!) auf der Pressekonferenz.  Für Nicole Kidman (die für den ersten großen Star-Tumult am Potsdamer Platz sorgte) wird die Arbeit jedenfalls „in Erinnerung bleiben“: Übernachtung unterm Sternenhimmel in Marokko, Dreh mit einem am Straßenrand aufgelesenen Geier. Und ein Bad in der Wüste. Die Szene, erzählt Kidman, habe sie sich eigens von Werner Herzog gewünscht. Und einer Königin schlägt man natürlich nichts ab.

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