"Die Gräfin" mit Julie Delpy hält emotional Distanz

Eine Parabel über den Fluch des Alterns ist der Kinofilm "Die Gräfin" von und mit Julie Delpy als Erzebet Bathory. Daniel Brühl spielt die große Liebe der Gräfin.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 02.07.2009, 11:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Die Gräfin" mit Julie Delpy hält emotional Distanz

Gräfin Erzebet (Julie Delpy) beginnt eine Affäre mit dem jüngeren Istvan (Daniel Brühl) und verfällt dem Jugendwahn.

Sie war eine Art weiblicher Dracula und soll enormen Bedarf an Fremdblut für Schönheitselixiere gehabt haben. Erzebet Bathory lebte von 1560 bis 1614. Als ihr Verschleiß an Jungfrauen sich nicht mehr vertuschen ließ, wurde ihr der Prozess gemacht und die Dame eingekerkert. Julie Delpy (Buch und Regie) hat die barocke Gruselmär verfilmt und sich eine eigene Sicht auf das Knäuel aus verbrieften Fakten und Legende vorbehalten: "Die Gräfin" laviert zwischen Kostümschinken, Liebesmelodram, Horror light, Parabel über den Fluch des Alterns. Ein wenig feministische Tünche hat Delpy auch aufgetragen.Julie Delpy als weiblicher Vampir

Die von ihr gespielte Gräfin kommt als stolze, selbstbewusste Frau daher, alle Zügel fest in der Hand. Um sie herum eine Corona ränkeschmiedender Kerle, die der Witwe Macht und Besitz neiden. Als die Bathory zu Fall kommt, triumphieren die Herren Intriganten.

Daniel Brühl mit wenig Ausstrahlung

Opfer oder Täterin? Mitleid oder Verdammnis? Beides, sagt Julie Delpy in einem gespreizten Spagat. Sie hätte sich entscheiden sollen, denn die Unentschlossenheit gegenüber der Zentralfigur hält uns emotional auf Distanz. Auch der großen Liebe der Gräfin fehlt die Sogwirkung: Daniel Brühl ist eine Fehlbesetzung. Blass, ohne Ausstrahlung, mit Fusselbart auf Mannsbild getrimmt. Diesem Bubi soll die umschwärmte Bathory verfallen?

Wie ein Wiedergänger von Klaus Kinski

Nicht der Einzige, der reichlich anämisch wirkt. William Hurt und Sebastian Blomberg (Dialoge hauchend wie ein Wiedergänger von Klaus Kinski) können ihren Rollen kaum Kontur geben. Schuld hat auch das Drehbuch, das mehr Erfüllungsgehilfen als Charaktere kreiert.

Dröge inszeniert, muffig stickige Bilder, und ein unerfreulicher Hang, Gezeigtes verbal zu doppeln. Wir wissen, warum im Schloss des Todes die Schmeißfliegen schwirren. Spieglein, Spieglein, an der Wand: Schönheit vergeht, (nicht nur) Frauen leiden darunter. Ein Gemeinplatz, aufgeblasen zur Möchtegern-Tragödie.

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