Diener zweier Herren zielt auf Lachmuskeln

Schauspielhaus Bochum

"Hunger" knurrt der Magen von Truffaldino, dieser "Diener zweier Herren". Er krümmt und windet sich, "Hunger", stopft sich ein Vögelchen in den Mund. Eine Feder fällt noch aus seinem Mund. Mit einer komischen Nummer, ganz im Sinne der Commedia dell'arte, eröffnet Nicola Mastroberardino im Schauspielhaus Bochum einen Theaterabend, der vor Einfällen explodiert. Und dennoch nicht begeistern kann.

BOCHUM

von Von Ronny von Wangenheim

, 02.12.2012, 18:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Diener zweier Herren zielt auf Lachmuskeln

<p>In Aktion: Nicola Mastroberardino als Truffaldino und Xenia Snagowski als Smeraldina. <p></p> Foto Declair</p>

Regisseur David Bösch hat sich nach Borcherts "Draußen vor der Tür" mit Goldonis "Diener zweier Herren" und damit mit der Urform der Volkskomödie beschäftigt. Anleihen macht er zudem bei Gangsterfilmen und Comedy. Unbeschwert und heiter wird es bei ihm allerdings nicht - trotz all der Gaukeleien und Slapstickeinlagen.Derangierter Harlekin

Bösch stellt die Figur des Dieners in den Mittelpunkt seiner Inszenierung. Mastroberardino, dem Truffaldinos Elend nicht nur am derangierten Harlekinkragen anzusehen ist, darf (wie das gesamte Ensemble) Augen oder Mund weit aufreißen, posieren und Pantomime und Zirkusnummern zeigen. Das Scheitern ist vorprogrammiert. Großartig, wenn er einen geöffneten Brief wieder verschließen will und sich im Klebeband verheddert.Todesfälle statt Happy End

Ketchup-Attacken, gezogene Revolver, Sprengstoff, zwei Herren, die er gleichzeitig bedienen muss - mit was sich Truffaldino so herumschlagen muss. Da bleibt keine Energie fürs Mitgefühl mit seinen beiden Herren. Weshalb die als Mann verkleidete Beatrice (Therese Dörr) und Florindo (Raiko Küster) in Bochum statt eines Happy Ends den Tod finden.Schwan wie bei Lohengrin

Und was passiert nicht noch alles. Papa Pantalone (als Mafia-Boss: Jürgen Hartmann) zieht immer wieder die Waffe, seine Tochter Clarice (als wäre sie Marilyn Monroe: Maja Beckmann) verliert ein Auge, Dienstmädchen Smeraldina (Xenia Snagowski) wirft ihres auf Truffaldino, Tische werden verwüstet, ein Sarg hat einen Auftritt, Musiker Karsten Riedel singt italienische Lieder. Am Ende fährt Silvio (Matthias Eberle) auf einem riesigen, leuchtenden Schwan herein als wär' er Lohengrin.Keine runde Sache Das ist manchmal witzig, manchmal albern, fügt sich aber nie zu einem runden Ganzen. Man möchte nicht mit den Figuren lachen. Und man möchte nicht mit ihnen weinen. So mischten sich in den großen Premierenbeifall vereinzelte Buhrufe für den Regisseur.

Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.