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Neuer Fahrradweg soll Ruhrtalwanderweg Konkurrenz machen

Auf ehemaliger Trasse

Wer bisher mit dem Fahrrad der alten Eisenbahntrasse von Haltern nach Wesel gefolgt ist, musste in Holsterhausen, an der Stadtgrenze zu Schermbeck, auf Wirtschaftswege ausweichen. Doch die Zeiten sind nun vorbei, denn ein neuer Radweg soll 2015 sogar dem Ruhrtalwanderweg Konkurrenz machen.

DORSTEN/SCHERMBECK

von Von Rüdiger Eggert

, 10.04.2012 / Lesedauer: 3 min

„Freie Bahn“ heißt es jetzt für Radfahrer auf der Trasse der ehemaligen Eisenbahnstrecke zwischen Dorsten und Schermbeck. Wo sich früher Dampflokomotiven schnaubend den Weg entlang der Lippeauen bahnten, rollen jetzt die Radfahrer mit ihren Drahteseln abseits des Straßenverkehrs auf einer wunderschönen angelegten Radroute von Dorsten, an Schermbeck vorbei, Richtung Drevenack auf dem Gleiskörper der ehemaligen Bahnstrecke Haltern-Venlo. Lange Zeit endete der Radweg auf der historischen Trasse der Cöln-Mindener-Eisenbahn in Holsterhausen an der Stadtgrenze zu Schermbeck. Die Radfahrer rollten über Wirtschaftswege und stießen in Schermbeck wieder auf die ehemalige Bahnstrecke. Ende März wurde ein drei Kilometer langer Abschnitt zwischen Dorsten Holsterhausen und Schermbeck offiziell freigegeben. Startpunkt des Radweges ist in Dorsten an der Borkener Straße. 2015 sollen die Radfahrer auf dem Themenradweg „Auf den Spuren der Römer“ von Wesel bis Haltern durchgehend auf der alten Trasse rollen.Startpunkt der historischen Eisenbahnlinie war Haltern. Hier begann die Strecke mit dem Kilometer Null, querte in Wesel am Kilometer 45 den Rhein und in Venlo endete der Streckenabschnitt mit dem Kilometer 90,2. Die Konzession für die Bahn wurde 1866 der Cöln-Mindener-Eisenbahn übertragen. Bis allerdings die ersten Lokomotiven über die Strecke rollen sollten, verging noch einige Zeit. Die Baugenehmigung war gestellt, aber es tat sich nichts. Die Weseler wandten sich direkt an den preußischen König, auch die Gemeinde Schermbeck versuchte, direkt bei dem Monarchen Einfluss zu nehmen, damit der Baubeginn endlich starten konnte. Erst 1869 wurden die ersten Meter Gleise verlegt. Im Raum Schermbeck/Dorsten begannen die Arbeiten erst zwei Jahre später. Zur Jahreswende 1874/75 rollten die ersten Personenzüge über die Strecke. Viele Geschichten ranken sich um die Bedeutung der Strecke. „Pariser Bahn“, „Venloer Bahn“ oder „Hamburger Bahn“ sind Bezeichnungen, die sich bis heute gehalten haben. Züge aus Paris rollten Richtung Hamburg durch Schermbeck und Dorsten.

Es wird sogar von einer wichtigen Verbindung von London nach St. Petersburg gesprochen. Waren die Züge erst in Haltern angekommen, bestand natürlich die Möglichkeit, über das gut ausgebaute europäische Eisenbahnnetz in alle Metropolen der damaligen Zeit zu Reisen. Bedeutung erlangte die Strecke, als der Fährverkehr von England von Rotterdam nach Vlissingen verlegt wurde. Über Venlo reisten damals sicher auch Diplomaten und Persönlichkeiten Richtung Berlin durch Dorsten. Tatsache ist, dass die Strecke schnell wieder an Bedeutung verlor. Historisch gesehen hatte sie Ende des 19. Jahrhunderts eine kurze Blütezeit. Auch die Zechen konnten an der Situation nichts ändern. Im September 1962 verließ der letzte planmäßige Personenzug Schermbeck. Bis 1985 wurde die Strecke noch für den Güterverkehr genutzt, doch dann ging die Eisenbahngeschichte in Schermbeck zu Ende. Heute ist die Trasse ein Radweg, der nach seiner endgültigen Fertigstellung 2015 wieder eine touristische Attraktion sein wird. Zwar schnauben keine Dampfrösser über die Strecke, aber hoffentlich tausende von Radfahrern, die von Xanten nach Haltern auf der Route „Auf den Spuren der Römer“ in die Pedale treten. Bei der offiziellen Vorstellung eines Teilstückes war von Seite des Regionalverbandes Ruhr (RVR) zu hören, dass man dieser Strecke das gleiche Potenzial zuspricht wie dem beliebten Ruhrtalwanderweg.  

Wer mehr über die Geschichte der „Venloer Bahn“ wissen möchte, dem ist das gleichnamige Buch von Rolf Swoboda empfohlen. Erschienen ist es im Verlag Bernd Neddermeyer. Mit Eisenbahngeschichte befasst sich auch die Dorstener/Halterner Gruppe von „On Wheels“. 

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