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Alles für die Sicherheit

DORTMUND Das gibt es nicht alle Tage: Mitten in dichter Innenstadt-Bebauung soll ein 61 Meter hohes Hochhaus zu Boden gezwungen werden. Der Aufwand ist enorm: Mehr als 500 Anwohner müssen evakuiert, Straßen gesperrt, U-Bahnen angehalten werden.

von Von Oliver Volmerich

, 15.02.2008

In den vergangenen Wochen wurden schon die direkten Nachbar-Bauten des Volkswohl Bund-Hochhauses abgerissen. Jetzt steht es als Ruine ohne Fenster und Innenleben ganz isoliert und allein an seinem Platz. Nur der Riegel entlang der Hohen Straße, der wie das Hochhaus dem Neubau der Versicherungszentrale weichen soll, ist noch stehen geblieben. Als Schutz für die dahinter liegenden Häuser, erklärt Martin Hopfe, Geschäftsführer der Thüringer Sprenggesellschaft, die dem Riesen den Garaus macht.

Medienereignis

Hopfe ist an diesem Freitag, zwei Tage vor dem Sprengtermin, ein gefragter Mann. Nicht nur bei den Bauleuten. Die Sprengung ist ein Medienereignis. Und Hopfe erklärt allen Fernseh-, Radio- und Zeitungsleuten geduldig, wie man den Riesen umlegen will. Auf mehr als 100 Stellen, verteilt auf sechs Ebenen des Hochhauses, ist der Sprengstoff verteilt. Die Kunst ist, das 61 Meter hohe Gebäude so zu sprengen, dass es genau in das vorbereitete Bett aus Gräben und Erde im leergeräumten Innenhof fällt. Und nicht etwa gegen die benachbarten Wohnhäuser, von denen das nächste nur 35 Meter entfernt steht.

Zur Sicherheit sind sie mit an Gerüsten befestigten Textil-Vlies-Bahnen verhüllt worden. Genauso wie die Sprengebenen des Turms selbst, an denen die Männer in der Gondel werkeln. "Das soll den Sprengstreu-Flug verhindern", erklärt Hopfe. Gemeint ist das Herumfliegen von Betonbrocken, die sich bei der Sprengung vom Stahlskelett des Baus lösen.

Beton im Keller

"Sicherheit hat höchste Priorität", hat Hopfe als Motto ausgegeben. Und um die Sicherheit drehen sich denn auch fast alle vorbereitenden Maßnahmen in diesen letzten 48 Stunden vor der Sprengung. Das gilt sogar für den Untergrund. Denn dort - nur durch eine 1,50 Meter dicke Betondecke abgeschirmt, verläuft der Tunnel der Stadtbahn. Deshalb wurden die zwei untersten der drei Kellergeschosse unter dem Komplex mit Beton verfüllt. Und entlang des Südwalls ist ein drei bis vier Meter hoher Erdwall angeschüttet worden, umringt von Bauschutt-Containern. "Das soll herabstürzende Betonteile bremsen", sagt Hopfe und macht beim Blick über das Trümmerfeld gleich noch eine Stelle aus, an der noch ein bisschen nachgearbeitet werden muss.

Alles für diesen kurzen Augenblick. Um kurz nach 12 am Sonntag werden die Experten aus Thüringen das erste Signal zur Sprengung geben. "In Deckung gehen", bedeutet der erste lange Fanfarenstoß. "Achtung! Es wird gezündet!" die zwei kurzen, die wenig später folgen. Dann wird ausgelöst.

Dreimal wird es innerhalb weniger Sekunden knallen, um das Haus wie gewünscht zu zerlegen. "Das Stahlbeton-Skelett kollabiert, stürzt in sich zusammen. Und der Betonkern kippt dann in Richtung Innenhof - dahin wo jetzt noch der Bagger steht", erläutert Hopfe kurz und knapp den Effekt, der so viel Vorbereitung erfordert hat. Dann verkünden drei kurze Fanfarenstöße das Ende der Sprengung. Und Hopfe ist bei den Medien wieder ein gefragter Mann. Mit Sicherheit.

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