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Arbeit unter "miserablen Umständen"

DORTMUND Im Fall der zwei Mädchen, die mit ihrem sterbenden Vater alleine leben mussten, hat die Stadtverwaltung am Montag jedes Fehlverhalten der Sachbearbeiter bestritten. Die Gewerkschaft verdi prangerte die Überlastung in der Jugendhilfe an.

von Von Andreas Wegener

, 25.02.2008
Arbeit unter "miserablen Umständen"

In diesem Haus lebten die Mädchen mit ihrem sterbenden Vater.

Wieso durfte eine Urlaubsvertretung gegen einen Kontrollbesuch entscheiden? Warum glaubte sie einem Mann, dem bereits mehrere Kinder entzogen wurden? Vor allem: Warum glaubte niemand den Warnungen der Lehrer?

Wochenlang mussten zwei Schwestern (7/9), wie berichtet, alleine mit ihrem sterbenden Vater leben. Auf die bohrenden Fragen versuchte gestern erstmals Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp eine Antwort zu geben. Am Freitag hatte die Stadt noch versucht, die Vorwürfe schriftlich aus der Welt zu schaffen.

Verdi prangert Belastung an

Inzwischen wurden neue laut: So prangerte die Gewerkschaft Verdi die Belastung des zuständigen Jugendpflegedienstes im Vorort an. Sieben der acht Mitarbeiter hätten in den vergangenen Wochen Überlastungsanzeigen geschrieben, um „damit auf die mangelhafte Betreuung Schutzbefohlener hinzuweisen“. Sprecher Martin Steinmetz: „Die Sozialarbeiter arbeiten weiter unter miserablen Umständen.“ „Mit Überlastung hat der konkrete Fall nichts zu tun“, beteuerte Jugendamtsleiter Ulrich Bösebeck gestern. Nach den Hinweisen der Schule, rechtfertigte Bonekamp, habe sich die zuständige Mitarbeiterin telefonisch versichern lassen, dass es den Kindern gut gehe. Für Bösebeck eine „korrekte und angemessene Entscheidung“. Schließlich habe sich der 67-Jährige bei Kontakten in den vergangenen zwei Jahren als „glaubwürdig und zuverlässig“ erwiesen. Dennoch: Die Lehrer warnten wiederholt, wiesen auf die mangelhafte Hygiene der Kinder hin, darauf, dass sie alle Einkäufe alleine erledigen müssen. Wegen der „schmuddeligen Kleidung“ habe man ein baldiges Treffen vereinbart, sagte Bodo Weirauch, Leiter des Fachbereichs „Erzieherische Hilfen“. Dass dem Vater vor längerer Zeit bereits mehrere Kinder entzogen worden waren, dürfe ihm zufolge heute keine Rolle mehr spielen. Und dass Urlaubsvertretung die Sache entschied, sei ebenfalls in Ordnung: „Es gibt regelmäßige kollegiale Beratungen.“ Bonekamp teilte mit, dass man für die Schwestern „schon eine professionelle Pflegefamilie ins Auge gefasst“ habe. Auf keinen Fall sollten die Schwestern getrennt werden. Sofortige Konsequenzen aus dem Fall kündigte sie nicht an. K weg  Die AWO Dortmund hat ein Spendenkonto für die Schwestern eingerichtet: Kto. 061 006 672, Sparkasse Dortmund, BLZ 44 050 199.

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