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Backpfeife für Cromme

Völlig unsensibel nach der Holzhammermethode vorzugehen ist normalerweise nicht die Art und Weise von Udo Dolezych (Foto 1). Vielmehr bevorzugt der IHK-Präsident den Dialog.

13.02.2008

Gestern Abend allerdings verließ Dolezych bei einer Vortragsveranstaltung der Freunde des Hoesch-Museums in der IHK diesen diplomatischen Pfad. In seinem Grußwort las er dem "Ehrengast" des Vereins, ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme (Foto 2), tüchtig die Leviten.

Grund für die Attacke: das Gelände der ehemaligen Westfalenhütte. Das Areal berge für Neuansiedlungen "gewaltiges Potenzial", unterstrich Dolezych. Nicht nur für Logistikfirmen, sondern auch für "Industrieunternehmen aller Art". Leider ziehe sich die Vermarktung des "Filetgrundstückes" in die Länge. Dolezych hat dafür kein Verständnis. Zumal Dortmund "ansonsten kaum noch über wirklich große Flächen verfügt".

"Ich weiß nicht, woran es liegt, dass diese Chance nicht offensiver genutzt wird", sagte Dolezych, um dann Cromme bei der Ehre zu packen: "Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich als Vorsitzender des Aufsichtsrates von ThyssenKrupp in dieser Angelegenheit für unsere Region engagieren würden."

Das Vorpreschen von Dolezych kommt nicht von ungefähr. Erst kürzlich hatte der Ein-Euro-Discounter "Tedi" der Stadt den Rücken gekehrt, weil ThyssenKrupp keine verbindliche Aussage darüber abgeben konnte, wann auf dem einstigen Standort für die Schwerindustrie wieder gebaut werden kann (wir berichteten).

Bereits am Morgen hatte Dolezych bei der Frühjahrsumfrage der fünf Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets ( siehe überregionale Wirtschaft ) eine Lanze für die Industriefirmen in der Stadt gebrochen. Es gebe zwar genug "Lippenbekenntnisse", allerdings auch "viele Bürgerinitiativen, die industrielle Planvorgaben aus welchen Gründen auch immer torpedieren". Zu häufig sei die Politik bereit, sich deren Argumentationen anzuschließen, beklagte sich Dolezych. Der IHK-Präsident forderte, ohne Wenn und Aber, ein klares "Ja" zum Industriestandort Ruhrgebiet. "Wenn das nicht erfolgt, befürchte ich, dass es zu weiteren Abwanderungen kommt."

Achim Roggendorf

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