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Bohrende Fragen nach Kinderdrama

Gestern Vormittag konferierten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung über den Fall der beiden verwahrlosten Schwestern. Rund zwei Stunden später verschickte die Pressestelle eine zweiseitige Stellungnahme.

22.02.2008

Bohrende Fragen nach Kinderdrama

<p>Erschüttert: Rosemarie Liedschulte. Archiv</p>

Bereits als die Mädchen nach dem Tod der Mutter nach Dortmund zogen, habe die Behörde eine Sozialpädagogische Familienhilfe eingerichtet, hieß es darin. Im August 2007 endete die Maßnahme: "Nach übereinstimmender Einschätzung der Familienhelferin, des Jugendhilfedienstes und des Vaters bestand kein weiterer Hilfebedarf." Mehrfach habe das Amt dem allein erziehenden Mann Hilfe angeboten, die er immer wieder ablehnte. Noch drei Wochen vor seinem Tod versicherte er den Angaben zufolge "es gehe ihm gut".

Nachdem die Schule Anfang Januar Alarm geschlagen hatte, rief eine Mitarbeiterin den 67-Jährigen an. "Wiederum versprach er, sich umgehend melden zu wollen, bräuchte er Hilfe oder Unterstützung", sagte Bodo Weirauch, Vize-Jugendamtsleiter. Da die Mitarbeiterin die Zustände in der Familie gekannt hätte, habe man das Telefonat als ausreichend erachtet. Ein Treffen sei für die kommende Woche vereinbart worden. Doch dazu kam es nicht mehr - der Vater starb am 19. Januar.

Danach, so Weirauch, habe sich das Jugendamt umgehend um eine Bereitschaftspflegefamilie bemüht. Zunächst habe aber der Halbbruder, dann eine Familie aus dem schulischen Umfeld die traumatisierten Schwestern aufgenommen. Zu diesen freiwilligen Pflegeeltern habe es eine Reihe von Kontakten gegeben. "Das waren Gespräche mit dem Vormund zu rechtlichen Fragen. Konkrete Hilfe für den Umgang mit den Kindern haben wir allerdings nicht bekommen", sagt Torsten Patz, der die Mädchen bei sich aufnahm.

Die CDU-Fraktion forderte gestern Aufklärung darüber, wie es zu einer solch eklatanten Situation kommen konnte. "Ich bin erschüttert, dass wir hier in Dortmund einen solch harten Fall von Kindervernachlässigung haben", erklärte Sprecherin Rosemarie Liedschulte. Durch "das Nichthandeln des Jugendamtes" nicht nur die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, sondern auch das Vertrauensverhältnis zu Erwachsenen gestört. Ihre Partei forderte die Verwaltung auf, im kommenden Kinder- und Jugendausschuss zu dem Fall Stellung zu nehmen. weg/nick

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