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"Deutsch darf keine Nebensache sein"

HÖRDE. Im Interview spricht der Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturvereins über die Worte Erdogans.

von Von Peter Bandermann

, 12.02.2008

Helfen die Worte des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan einer um Integration bemühten Organisation wie dem türkisch-islamischen Kulturverein in Hörde weiter? Der Vorsitzende (Foto) antwortet auf Fragen von Redakteur Peter Bandermann.

Herr Arpaci, was halten Sie von türkischen Schulen in Deutschland, wie sie Erdogan fordert?

Arpaci: Wer türkisch-sprachigen Unterricht fordert, ist nicht automatisch gegen Integration. Aber wenn ich in Deutschland lebe, dann ist die deutsche Sprache ein Muss, um in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft kommunizieren zu können. Auf keinen Fall darf die deutsche Sprache zur Nebensache werden.

Wo und wie haben Sie die deutsche Sprache gelernt?

Arpaci: Ich habe in der Türkei ein deutschsprachiges Gymnasium besucht und bin ein lebendes Beispiel dafür, dass man zweisprachig aufwachsen kann.

Wie beurteilen Sie die von Erdogan angestoßene Anpassungs-Diskussion?

Arpaci: Als ich in der Türkei gelebt habe, war für mich vieles anders. In den Jahren in Deutschland haben sich solche Gewohnheiten automatisch geändert. Das fängt mit banalen Dingen an und ist in vielen anderen Bereichen zu beobachten. In der Religion sind Veränderungen sicher schwieriger.

Wie stark leistet Ihr Kulturverein in Hörde Vortrieb bei der Integration?

Arpaci: Die Integration ist bei uns immer ein Thema. Wir wollen in dieser Gesellschaft leben - und deshalb auch Verantwortung übernehmen. Nur so kann man uns als Teil der Gesellschaft akzeptieren.

Welches Gewicht haben Erdogans Worte für die hier lebenden Türken?

Arpaci: Seine Worte werden durchaus kritisch betrachtet. Die zweite und dritte Generation hat sicher noch ihre Wurzeln in der Türkei. Aber die vierte Generation, die heute 15- bis 20-Jährigen, ist stärker am Geschehen in Deutschland interessiert.

 

Ogün Arpaci ist 39 Jahre alt und lebt seit 1991 in Hörde. Seit einem ist Jahr ist er Vorsitzender des türkisch-islamischen Kulturvereins in Hörde. Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik ist verheiratet und hat vier Kinder.

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