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Dickere Kinder, weniger Sitzplätze

DORTMUND Sachen gibt's, die gibt es eigentlich gar nicht. Das Kinder- und Jugendtheater musste sein Sitzplatzangebot reduzieren. Der Grund: Übergewichtige brauchen mehr Platz.

von Von Katrin Pinetzki und Andreas Wegener

, 21.02.2008

Der große Saal des Kinder- und Jugendtheaters bietet Platz für 200 Kinder. Doch in jüngster Zeit kam KJT-Leiter Andreas Gruhn immer öfter ins Grübeln. Obwohl genau 200 Karten verkauft waren, saßen immer wieder Kinder auf den Treppenstufen, weil die Sitzbänke schon voll waren. Da sich der Saal nicht verkleinert hatte, blieb nur eine Lösung: Die Kinder mussten größer geworden sein – bzw. dicker.

„Das kann gut sein“, sagt Dr. Mathilde Kersting vom Institut für Kinderernährung, „der Anteil übergewichtiger Kinder ist seit 1993 um 50 Prozent gestiegen.“ Fettleibige Kinder gebe es sogar doppelt so viele. Das Theater musste reagieren: „Wir haben die offizielle Sitzplatz-Zahl von 200 auf 180 korrigiert“, sagt Gruhn. Ebenso wurden die Plätze für Jugendliche von 160 auf 150 reduziert. Natürlich habe die geschrumpfte Platzzahl auch finanzielle Auswirkungen, sagt Gruhn, „das macht aber höchstens 1500 Euro im Jahr aus.“

Für dramatischer hält er das Phänomen an sich. „Man liest ja ständig, dass die Zahl übergewichtiger Kinder steigt, und nun können wir es aus der Nähe beobachten.“ Nach Gruhns Erfahrung spielen Schulform und Gegend eine starke Rolle: In Nordstadt-Hauptschulen sei Übergewicht eher ein Problem als in Südstadt-Gymnasien. Ein Theaterstück zu den Problemen Übergewichtiger sei ihm noch nicht begegnet, sagt Gruhn. Stattdessen hat in der kommenden Spielzeit „Ein reines Mädchen“ Premiere – es handelt von Magersucht.

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