Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Ein Blick ins Preußen vor 128 Jahren

Es ist ein windiger März-Tag im Jahr 1880. Die gesamte Berliner Prominenz hat sich im Tiergarten versammelt - und natürlich der Hofstaat. Schließlich wird das marmorne Denkmal der Königin Luise feierlich enthüllt.

29.02.2008

Der Maler Fritz Werner hielt das Ereignis in seinem 212 mal 158 cm großen Bild fest, das er zehn Jahre später im Auftrag der Nationalgalerie vollendete. Heute hängt das Kunstwerk des Monats März, ausgewählt diesmal von den RN und dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK), in der "Kleinen Nationalgalerie" im MKK, wo es noch bis Juni zu sehen ist.

"Königin Luise war eine kluge, politische Frau, die sich einmischte und sich Napoleon entgegenstellte", sagt Kunsthistorikerin Brigitte Buberl. Sie starb mit 34 Jahren als Mutter von 10 Kindern. Doch nicht die Enthüllung ihres Denkmals stellt der Maler in den Mittelpunkt, auch nicht die kaiserliche Familie um Luises Sohn Wilhelm I., die links zur steinernen Luise aufblickt. Vielmehr gibt es keinen Punkt, zu dem die Augen automatisch springen.

Es scheint, als habe Landschaftsmaler Fritz Werner die feierliche Atmosphäre samt Tannen-Girlanden und Palmenschmuck als distanzierter Betrachter wie fotografisch dokumentieren wollen.

Getrennt nach Schichten gruppieren sich die Menschen rund ums Denkmal, doch außer dem Hofstaat betrachtet keiner der Anwesenden das soeben enthüllte Denkmal. Im Vordergrund stehen interessanterweise, meist mit dem Rücken zum Betrachter, die Künstler, darunter Theodor Fontane und der Maler Adolph Menzel, der Fritz Werner stark beeinflusste. Dem Betrachter am nächsten ist gar eine Gruppe unbekannter Frauen. Hinter dem Denkmal die Würdenträger der Stadt mit ihren Ratsketten und der Schöpfer des Denkmals, Erdmann Encke, daneben Burschenschaften und Militärs. Das Volk ist im Hintergrund zwischen kahlen Bäumen erkennbar.

Ein unglaublich aufwändiges Gemälde, für das Fritz Werner (1827-1908) zahlreiche Einzelporträts anfertigte, die er dann als Miniaturen mit fotografischer Genauigkeit einfügte.

Eine Kopie des Luise-Denkmals ist übrigens noch heute, allerdings recht heruntergekommen, auf der Luiseninsel im Tiergarten zu sehen. Katrin Pinetzki

Lesen Sie jetzt