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Ein Lobgesang auf die Schöpfung

DORTMUND 60 Jahre nach der Uraufführung in Unna erklingt das Oratorium „Groß ist Gottes Herrlichkeit“ des ehemaligen Reinoldikantors Gerard Bunk am 8. März zum ersten Mal in St. Reinoldi. Der Bachchor singt das Werk zu Bunks 120. Geburtstag (4.3.) unter Leitung von Reinoldikantor Klaus Müller.

von Von Julia Gaß

, 25.02.2008

Sie sind auf Borkum geboren. Hatten Sie schon von Bunk gehört, bevor Sie nach Dortmund kamen? Müller: Ich hatte Noten von einem Orgelwerk. Als ich 1996 von Hamburg nach Oberhausen kam, war Bunk schon viel präsenter. Aber als ich mich in Dortmund beworben habe, haben auch die Hamburger sofort gesagt „das ist doch die Bunk-Stelle“. Man kennt ihn auch außerhalb der Region.

Warum ist Bunks einziges Oratorium in Dortmund 60 Jahre nicht aufgeführt worden? Müller: Nach der Fertigstellung des Werks war die Reinoldikirche zerstört. Und in der Nachkriegszeit waren spätromantische Klänge nicht mehr gefragt, da war Neobarockes modern. Die Wiederentdeckung der deutschen Romantik hat jetzt erst begonnen.

Bunk hat das Oratorium in den Kriegsjahren, von 1940 bis 46, nach einem Text der Sängerin Martha Heinemann, dem Teile des Alten Testaments zugrunde liegen, komponiert. Aber es klingt nicht wie Musik dieser Zeit. Der Nachtteil zu Beginn erinnert an Wagner, später klingt Richard Strauss an, aus dem Chor der Abtrünningen hören wir Brahms‘ Requiem heraus und der ergreifende, große Schlusschor klingt nach Bach. Auf welchen Musikstil stellen Sie den Bachchor ein?

Müller: Der Chor singt jedes Stück, so wie es ihm gemäß ist. Die Wechsel sind für den Chor eine Herausforderung. Der Grundton des Werks ist spätromantisch und es ist unglaublich farbig. Es ist bewundernswert, wie Bunk mit dem Orchester umgehen konnte. Wir beziehen die Orgel etwas mehr ein, lassen sie nicht nur im Schlusschor mitspielen, sondern auch in anderen Chören wie dem Chor der Baumeister.

Das Oratorium hat den Untertitel „Lobgesang auf die Schöpfung“. Gibt es Parallelen zu Haydns „Schöpfung“? Müller: Mann und Weib kommen nicht wie bei Haydn vor. Bunk ging es um den Menschen in der Natur. Er hatte eine naturalistische, romantische Vorstellung, er hat Sonne, Mond und Sterne personifiziert. Die Sonne hat selten eine eigene Arie, so etwas gibt es sonst nicht, das ist etwas Besonderes. Und es gibt Chöre der Winde, der Baumeister, der Spinnerinnen und Weberinnen, der Blumen und des Meers.  

Es gibt auch einen Chor der Schneeflocken und Sterne. Wie singt man Schneeflocken? Müller: Der Chor muss versuchen, sich in die Stimmungen hineinzuversetzen, das kommt aber ganz schnell beim Singen. Bunks Musik bleibt nie schlicht, sie hat sofort eine besondere Note und führt in diese anderen Klangsphären. Das ist fantastisch – die Musik beginnt sofort zu schweben.

Machen dem Bachchor die Proben Spaß? Müller: Sehr. Es gibt ja auch zwei Männer- und vier Frauenchöre. So etwas singen wir sonst nie. Das Werk ist sehr schwer, der Bachchor muss damals unter Bunks Leitung sehr gut gewesen sein.

Glauben Sie, dass das Oratorium den Dortmundern gefallen wird? Müller: Ganz bestimmt. Das Konzert ist ein kirchenmusikalischer Höhepunkt und vielleicht eine für lange Zeit einmalige Gelegenheit, das Werk zu hören. Und es gibt ja noch viele Menschen, die Bunk gekannt haben. Jeder, der ihn kannte, war fasziniert von ihm. Bunk muss ein unglaublicher charismatischer Mann gewesen sein mit einem netten Humor, aber er war auch streng.

In diesem Jahr werden Bunks Werke beachtet. Werden sie in St. Reinoldi auch nach dem Bunk-Jahr 2008 noch auf den Konzertprogrammen stehen? Müller: Unbedingt. Das ist unsere Chance, Tradition wiederzubeleben und fortzuführen. Wir müssen das Neue im Blick haben, aber die Tradition wertschätzen. Ich möchte zu einem führenden Bunk-Interpreten der Region werden und seine größeren Werke überall spielen. Das ist für mich eine Verpflichtung. Die Werke sollen ins gängige Repertoire aufgenommen werden, alles andere wäre zu schade. 

 Sie haben Orgelwerke von Bunk gerade auf CD eingespielt. Wird es von dem Oratorium auch eine CD geben? Müller: Wir schneiden Generalprobe und Konzert mit. Wenn die Aufnahme gut ist, gibt es eine CD. Sie ist eine Bereicherung des oratorischen Repertoires und auch für andere Chöre und Chorleiter in Deutschland interessant.

Das Konzert des Bachchors unter Leitung von Klaus Müller beginnt am 8.3. um 19.30 Uhr in St. Reinoldi. Solisten sind Bettina Lecking (Sopran), Dagmar Linde (Alt), Thomas Körner (Tenor) und Gregor Finke (Bass). Es begleitet ein Sinfonieorchester aus Düsseldorf. Karten (5-23 Euro): KulturInfoShop, Tel. 50-27710. Einführungsvortrag: 5.3., 19.30 Uhr, mit Dr. Jan Boecker in St. Reinoldi.

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