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Ein Mann will nach oben

Er war der Mephisto, der Jago und der Karl Moor. Er spielte Hauptrollen in den viel gelobten Inszenierungen "Buddenbrooks" oder "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". In Dortmund gibt es für Schauspieler Manuel Harder kaum mehr etwas zu erreichen.

26.02.2008

Kein Wunder, dass sich der 36-Jährige schon einmal umschaut. Zurzeit ist er an der Schaubühne in Berlin zu sehen. In einer Inszenierung des renommierten Regisseurs Luk Perceval spielt er den Hauptmann in Kleists "Penthesilea", eine eher kleine Rolle, doch gerade das gefällt Harder. "Im Moment finde ich es angenehm, mal eher im Hintergrund zu spielen, sich als Arbeiter für die Sache zu fühlen", sagt Harder.

Es ist Freitagabend, die letzte Vorstellung der "Räuber" ist gerade über die Bühne gegangen. Harder hat sich noch nicht ganz von seiner Grippe erholt. Wie auch: In den vergangenen Wochen ist er mehrmals wöchentlich von Berlin nach Dortmund gependelt, um vormittags an der Schaubühne zu proben und abends pünktlich zur Vorstellung in Dortmund zu sein. In der Nacht ging es dann wieder zurück. Das schlaucht.

Hoffnung auf Hamburg

Nun ist die Probenphase in Berlin vorbei, die Premiere gelaufen. Gemischt sei der Abend aufgenommen worden, sagt Harder, "die Kritik wird sicher Ohrfeigen verteilen." Es sieht nicht so aus, als machte dem Liebling des Dortmunder Publikums das viel aus. Er hat mit einem Regisseur gearbeitet, der 2009 leitender Regisseur am Hamburger Thalia Theater werden soll, und er fand die Zusammenarbeit mit Luk Perceval äußerst angenehm. Diese Erfahrung nimmt ihm niemand mehr, ebenso wenig wie die Hoffnung, es vielleicht dorthin zu schaffen: "Das Thalia Theater könnte ich mir gut vorstellen."

Vertrag bis 2010

Manuel Harders Vertrag in Dortmund läuft noch bis 2010, also ebenso lange wie der seines Schauspieldirektors. "Ich möchte bis Ende der Ära Gruner in Dortmund bleiben", verspricht er. Dass er schon jetzt Chancen wie die in Berlin ergreifen kann, rechnet er seinem Chef hoch an. "Für mich wird es Zeit, woanders Erfahrungen zu machen. Dortmund liegt ja leider nicht an der ICE-Strecke der Großfeuilletonisten."

Manuel Harder hat sich in seinen sieben Dortmunder Jahren hochgespielt. Es war erst sein zweites Engagement. Nun muss sich entscheiden, ob er das auch an einem größeren Haus schaffen kann. "Angebote gibt es schon", verrät er.

Er wird von vorn anfangen müssen. "Ich freue mich darauf, mich neu zu platzieren", sagt er, "ich will wieder in einem Ensemble landen, am liebsten in einem, das neu zusammen anfängt und in dem die Ensemblearbeit hoch gehalten wird." So wie in Dortmund.

Bevor es soweit ist, wird Harder in Dortmund noch als Regisseur zu erleben sein. Am 30. Mai inszeniert er die Uraufführung von "Wir sind nicht das Ende", einem Stück über den 11. September 2001. Es spielt Harders Wunschbesetzung: Birgit Unterweger und Michael Kamp. Katrin Pinetzki

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