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Essen und gegessen werden

Drei Mann auf einem Floß und weit und breit kein Proviant. "Auf hoher See" entfaltet sich eine absurde Auseinandersetzung um die Frage: Wer soll gegessen werden?

08.02.2008

Essen und gegessen werden

<p>Eine gefährliche Kombination: Der Dünne (Maria Becker, r.) übernimmt das Kommando auf dem Floß, der Dicke (Hilde Rosenkranz) erweist sich als sein williger Erfüllungsgehilfe. Enz</p>

Denn dass einer von ihnen zum Opfer werden muss, ist unter den Schiffbrüchigen in Slawomir Mrozeks Werk sofort unstrittig. Naturgemäß möchte jedoch keiner selbst der Unglückliche sein. So wird die Suche nach dem "richtigen" Opfer zum Gegenstand einer rund 50-minütigen Groteske.

Die drei Hungernden sind als namenlose Typen gezeichnet, deren verhängnisvolle Kombination schnell zu einer Vorentscheidung führt. Denn die Führungsansprüche des selbstbewussten Dünnen (Maria Becker) erkennt der Dicke (Hilde Rosenkranz) allzu bereitwillig an. Sehr zum Leidwesen des Mittleren, den Holger Kreft besonders überzeugend als zögerlichen, unsicheren Typen darstellt.

Einfach in sein Schicksal fügen möchte dieser sich aber nicht und fordert: Freie Wahlen auf dem Floß, und zwar mit vorangehendem Wahlkampf. Die stählerne Rippe oder die Spezialisierung auf das Zubereiten von Fleischgerichten werden zu Argumenten gegen die eigene Verspeisung. Doch die Wahl scheitert, die Situation bleibt.

Aktuelle und historische Gerechtigkeiten müssen dann als Kriterien herhalten. Der frisch erworbene Waisenstatus, von dem der Mittlere absurderweise per Telegramm erfährt, rettet ihn dabei vorläufig. Doch während der Dicke schon den Tisch deckt und die Messer wetzt, setzt der listige Dünne dem Mittleren weiter zu. Er sei so unsicher, geradezu unzurechnungsfähig. "Sie müssen aus der Gesellschaft ausgemerzt werden, und der beste Weg ist, sie zu verzehren!"

Die Laien unter Regie von Thomas Nueckel spielen das schwarzhumorige Stück über Demagogie und Verantwortung dicht und glaubwürdig - bis zu seinem bitteren, zynischen Ende. SEN

Samstag, 09.02.08, 20 Uhr: Theater Metropol im Hofsaal des Kulturzentrums Langer August, Braunschweiger Straße 22.

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