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Forschen und füttern

Erfolgreiche Wissenschaftlerin, Gewinnerin einer Millionen-Förderung, unter der Woche allein erziehende Mutter eines quirligen Jungen - über Langeweile kann sich Dr. Petra Dittrich nicht beklagen.

20.02.2008

Forschen und füttern

<p>Doppelrolle: Dr. Petra Dittrich muss Forschung und Fabian unter einen Hut bringen.</p>

Petra Dittrich springt auf. Fabian zieht es wieder magisch zur Treppe in der Bibliothek, in der wir uns zum Gespräch verabredet haben. "Mein Lebensgefährte arbeitet in Mannheim", wirft sie mir über die Schulter zu, "wir sehen uns leider nur am Wochenende."

Heißt also, den Alltag mit dem 14 Monate alten Wonneproppen allein zu organisieren. "Ich habe gelernt, effizienter zu arbeiten, besser zu organisieren", erklärt sie einen Vorteil ihrer Doppelrolle. Die Tagesmutter, flexible Dienstzeiten, abendliche Arbeitsstunden, ein Stipendium zur finanziellen Unterstützung von Wissenschaftlerinnen mit Kindern - das alles greift ihr unter die Arme.

Auf der Soll-Seite: Schlafdefizit der bekennenden Langschläferin und nur noch eingeschränkte Freizeitaktivitäten. "An Marathon, wie früher, ist nicht zu denken." Immerhin packt sie Klein-Fabian bisweilen in den Baby-Jogger und rennt los.

Keks verkrümelt

Fabian steht vor uns. Er lacht, gluckst und probiert seine private Tonleiter aus: "Oh, oh, aiaia." Er verkrümelt einen Keks, strahlt übers ganze Gesicht und Petra Dittrich auch.

Keine Rede mehr davon, dass die Chemikerin ihre Karriere an den Nagel hängt: "Während der Schwangerschaft habe ich mal ans Aufhören gedacht." Nun kann sie kaum zurück. Schließlich hat ihr der European Research Council (ERC), eine EU-Organisation, eine Forschungs-Förderung über knapp zwei Mio. Euro für fünf Jahre bewilligt. "Europaweit gab es mehr als 9100 Bewerber aus allen Fachbereichen." 300 erhielten einen, unterschiedlich hoch dotieren, Zuschlag. Dr. Dittrich lag mit ihren knapp 2 Mio. Euro an der Spitze. Jetzt strahlt sie wieder.

Team-Aufbau

Derzeit arbeitet sie mit dem ERC die Formalitäten aus, hat schon einen Budget-Plan erstellt. Sie hofft, ab Frühsommer ein Team von fünf Wissenschaftlern, zumeist Doktoranden, zusammengestellt zu haben, das ihre Forschung vorantreibt.

Die 34-Jährige erforscht die Erzeugung von künstlichen, naturgetreuen Zellen mittels Mikrochips. Anwendungsgebiete sind in der Medizin oder der Chemie denkbar, oder bei Sensoren.

Fabian sitzt jetzt auf ihrem Schoss und blättert mit der Mama eine Fachzeitschrift "Lab on a Chip" durch. "Labor auf einem Chip", übersetzt die Mama, "das ist das, was ich mache." Jörg Heckenkamp www.isas.de

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