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Highnoon für den Büro-Riesen

DORTMUND Die Bagger haben schon ganze Arbeit geleistet und die Nebengebäude des Volkswohl-Bund-Komplexes am Südwall dem Erdboden gleichgemacht. Das Hochhaus selbst folgt am 17. Februar - mit einem lauten Knall.

von Von Oliver Volmerich

, 06.02.2008

Genau genommen wird es im Abstand von wenigen Sekunden sogar dreimal knallen. So sieht es die Planung der Thüringer Sprenggesellschaft vor, die den 61 Meter hohen Turm am übernächsten Sonntag um 12 Uhr mit rund 50 Kilo Sprengstoff zu Boden zwingen will.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Nicht nur was den Abriss der flachen Nachbargebäude und die Berechnung der Sprengungen angeht, sondern auch mit Blick auf den Schutz der Anwohner und der angrenzenden Häuser. "Oberste Prioriät ist, das niemand zu Schaden kommt", betont Martin Hopfe als Geschäftsführer des Sprengunternehmens. Das hat in den vergangenen Jahren schon andere markante Hochhäuser, wie den "Langen Oskar" - das Sparkassen-Haus in Hagen - oder den "Goliath" in Marl flachgelegt hat.

Das Hochhaus des Volkswohl-Bundes ist aber eine besondere Herausforderung. Denn die Bebauung ist hier besonders eng. Bis zur Fahrbahn des Südwalls sind es nur zehn Meter, bis zum nächstgelegenen Wohnhaus an der Chemnitzer Straße nur 35 Meter, rechnet Hopfe vor. Sicherheit ist deshalb oberstes Gebot. Im Umkreis von 215 Metern um das Sprengobjekt werden alle Gebäude geräumt. Rund 500 Anwohner müssen dafür evakuiert werden. Sie finden am Tag der Sprengung im nahegelegenden Stadtgymnasium Asyl - wie schon bei der Bombenentschärfung auf dem Baugelände vor wenigen Wochen.

Schutz für Gebäude

Zwischen 8 und 10 Uhr wird evakuiert, erläutert Stephan Tocholski vom Bauteam des Volkswohl Bundes. Ab 10 Uhr kontrollieren Polizei und Technisches Hilfswerk, ob wirklich alle Wohnungen im Sperrbezirk, in dem auch Parkverbot für alle Autos gilt, verlassen sind. "Wir können nur an alle Anwohner appellieren im Sinne ihrer eigenen Sicherheit, nicht in ihren Wohnungen zu bleiben", erklärt Hopfe. Die unmittelbar angrenzenden Gebäude im Innenhof, in den der Riese fallen soll, werden auch durch vorgehängte Matten und Gerüste geschützt.  

Pünktlich zu "High Noon" um 12 Uhr soll dann der Sprengstoff, der auf mehreren Ebenen im Gebäude verteilt ist, gezündet werden. Spätestens um 14 Uhr können die Anwohner dann in ihre Wohnungen zurück.

U-Bahn gesperrt

Die Nähe der Nachbargebäude ist aber nicht die einzige Besonderheit bei der Sprengung am Südwall. Ein weiteres Problem: Nur 10 Meter unter dem Hochhaus und nur durch eine 1,50 Meter dicke Bodenplatte unter dem untersten Kellergeschoss getrennt verläuft der Tunnel der U-Bahn. Sie stellt am Sprengtag ab etwa 10 Uhr auf der Strecke nach Hombruch bzw. in Richtung Westfalenhallen deshalb auch den Betrieb auf den Linien U 42 und U 46 ein. Stattdessen fahren Busse zwischen den nächstgelegenen Stationen. Der Haltepunkt Stadtgarten ist komplett gesperrt. Das heißt, dass auch die Wagen der anderen Linien durchfahren.

Hintergrund des Abrisses ist, dass die Volkswohl Bund-Versicherungen eine neue Zentrale bauen, weil die bisherigen Gebäude aus allen Nähten platzen. "Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Beitragsumsätze mehr als verdoppelt und die Zahl der Mitarbeiter in Dortmund von 355 auf 570 erhöht", berichtet Volkswohl Bund-Vorstandsmitglied Martin Rohm. Und das Wachstum soll weitergehen. An Stelle des alten 70er-Jahre Komplexes am Südwall entsteht deshalb nach den Plänen des Hamburger Architekturbüros nps Tchoban Voss eine neue Unternehmenszentrale.  

 

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