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'Keine Zeit für Hängepartien'

Wenn die Trillerpfeifen lärmen und die roten IG-Metall-Fahnen wehen, dann ist klar: Die Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie wollen mehr Geld. Bei Hoesch Spundwand und Profil (HSP) trat gestern die Belegschaft in den ersten Warnstreik und legte zum Teil die Rheinische Straße lahm.

07.02.2008

Bis zu 200 Kollegen, so schätzte Thomas Heuser vom Vertrauenskörper, hätten bei dem Warnstreik mitgemacht. "Das ist eine ordentliche Beteiligung", war er zufrieden. HSP hat zurzeit rund 400 Mitarbeiter. Insgesamt legten gestern etwa 10 000 Beschäftigte in zwölf westdeutschen Städten ihre Arbeit nieder.

Die IG Metall fordert ab 1. Februar 2008 für zwölf Monate acht Prozent mehr Lohn und 100 Euro mehr für die Auszubildenden wie auch eine Arbeitszeitverkürzung für Ältere. "Die Stahlkonzerne haben mit dem Argument einer angeblichen Stahlkrise in der Vergangenheit die Löhne und Gehälter der Stahlbeschäftigten so weit gedrückt, dass der Tariflohn im gewerblichen Bereich 150 Euro unter der Metallverarbeitung liegt", weiß Heuser. Im Angestelltenbereich seien das sogar bis zu 500 Euro.

'Einkommen gesunken'

"Unser Realeinkommen ist unter dem Niveau von 1991 - und das bei einer enorm gestiegenen Leistung der Beschäftigten. Die Arbeiterfamilien spüren die Preissteigerung täglich. "Daher muss für die Beschäftigten endlich eine spürbare Erhöhung ihrer Löhne und Gehälter her."

Auch Hans-Jürgen Meier, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Dortmund, zeigte sich überzeugt: "Unsere Forderungen sind gesamtwirtschaftlich gut begründet und von der Stahlindustrie bezahlbar. Es gibt keinen Grund, unnötig lange zu verhandeln. Wir lassen uns auf keine Hinhaltetaktik ein. Sprudelnde Gewinne gehören auch den Beschäftigten. Wir haben keine Zeit für Hängepartien." Vier Verhandlungsrunden seien geplant, "danach wollen wir wissen, woran wir sind". Mitte Februar müsse ein entscheidungsfähiges Ergebnis vorliegen. "Das heißt: Ein Ergebnis, zu dem wir Ja sagen können - oder Nein sagen müssen. Und Nein bedeutet Urabstimmung und Streik", ließ Meier keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Gewerkschaft.

"Dieser straffe Zeitplan, das ist schon neu", unterstreicht Heuser. Der war gestern allerdings auch ein klein wenig enttäuscht: Die Nokia-Beschäftigten, die von den HSP-Mitarbeitern auch unterstützt worden waren, ließen sich bei dem Warnstreik entgegen anderer Ankündigungen nicht blicken. kiwi

Am Montag (11.2.) gehen die Warnstreiks bei ThyssenKrupp Stahl und dem Dortmunder Oberflächencentrum weiter.

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