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Knast-Folterer muss weitere drei Jahre absitzen

01.02.2008

Wenn er beim Kartenspielen verloren hatte, zwangen zwei Zellengenossen einen 47-jährigen Mithäftling im Gefängnis zu makabren Spielchen.

Mal musste er 20 Purzelbäume schlagen, bei denen er sich verletzte. Mal sollte er sich mit einem Handtuch an der Decke aufhängen. Mal versuchten sie, ihn mit einem Gegenstand zu vergewaltigen, zwangen ihn Marmelade vom Boden zu lecken oder Heringsstipp zu essen, bis er erbrach. Gestern verurteilte die 39. Strafkammer des Landgerichts einen der Knast-Folterer wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren Haft.

Haupttäter war ein italienischer Mafiosi, der inzwischen in einem Hochsicherheitstrakt auf Sizilien einsitzt. Der jetzt verurteilte 45-Jährige wagte angeblich nicht, seinem rücksichtslosen Landsmann zu widersprechen und machte stattdessen eifrig mit. Nur bei der Scheinhinrichtung zeigte der Angeklagte Skrupel, weshalb das Gericht ihn von einer Tatbeteiligung an der Strangulationsaktion freisprach.

An dem "Klima der Gewalt" in der Zelle sei die Gefängnisleitung nicht unschuldig, so der Vorsitzende Richter Peter Windgätter. "Freundlich gesagt, war die Belegung ausgesprochen unglücklich", kritisierte er, dass das spätere Opfer als Erstverbüßer in eine Zelle mit Gefangenen gesteckt worden war, die auf eine lange kriminelle Karriere zurückblicken können. "Hinsichtlich seiner Persönlichkeit war er das geborene Opfer. Es war eine Sauerei, die Schwäche des Mannes auszunutzen", so Windgätter weiter.

Staatsanwältin Carola Jakobs hatte fünfeinhalb Jahre Haft und Sicherungsverwahrung beantragt. Damit hätte der Angeklagte auf unbestimmte Zeit eingesperrt werden können. Die formellen Voraussetzungen dafür erfüllte das Urteil jedoch nicht. Dafür hätte für mindestens eine der Einzelstraftaten mehr als zwei Jahre Haft verhängt werden müssen.

Christoph Witte

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