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Mozart auf Say-Art: frech, zärtlich und sehr individuell

17.02.2008

In vielen Rollen hat man Fazil Say, den Exklusivkünstler des Konzerthauses, schon erlebt: als Pianist, als spannenden Komponisten - jetzt kam er als Dirigent (und Pianist) mit einer geballten Ladung Mozart (drei Klavierkonzerten) und dem Zürcher Kammerorchester, das aber auch ohne Dirigent gut zurecht kommt.

Der 38-Jährige polarisiert: Man mag ihn oder wundert sich über seine ausgeprägte Körpersprache. Augen zu machen und nur hören geht nicht, denn dann hört man ihn mitsingen. Aber inspirierend ist das, was Say macht - wenn er dem Konzertmeister nahe rückt, mit großen Gesten Melodien in die Luft malt, mit zärtlichem Anschlag langsame Sätze spielt oder freche Kadenzen einstreut.

Viel Fleisch

Viel Fleisch hat Says Mozart, auch wenn er immer nicht nur Mozart, sondern auch sich selbst spielt. Aber er trillert sich nicht nur durch, sondern entdeckt auch neue Farben, im C-Dur-Werk KV 467 Beethoven-Nähe und im KV 414 Arpeggien im Andante.

Ganz oder gar nicht

Say ist ein ganz-oder-gar-nicht-Pianist. Entweder steigert er sich in seine Rollen mit viel Herzblut und Temperament hinein - oder er lässt es. Im "Krönungskonzert" KV 537 ließ er es. Da hörte man, dass er die beiden anderen Konzerte gerade mit den Zürchern auf CD eingespielt hat. Beim Krönungskonzert brauchte er Noten, war mit dem Dirigieren zurückhaltender und konzentrierter aufs Klavier spielen - für seine Verhältnisse schon fast introvertiert. Ganz in seinem Element war der Türke wieder in seiner Jazz-Bearbeitung des türkischen Marsches von Mozart. Das war mitreißend und schön zu sehen, wie ein Orchester zur Bigband wird.

Türkische Zuhörer kamen deutlich weniger als zu Says vorherigen Konzerten. Ob das mit seinen Türkei-feindlichen Sprüchen, die jüngst bis Ankara durch die Gazetten schwirrten, zu tun hat? JG

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