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Narren verstehen sich auch ohne Worte

03.02.2008

Huckarde Der Saal der Alten Schmiede, Samstagabend, irgendwann nach 20.11 Uhr: Die Bühne der Dortmunder Show und Tanz KG wackelt unter 34 Piraten mit Zombie-Masken. Mit Trompeten, Pauken und Posaunen interpretieren die Rabauken den Belinda-Carlisle-Schmuser "Heaven is a place on earth" neu - frei nach dem Motto "Laut ist die Hälfte von gut".

"Halli Galli" heißt die Truppe aus dem Schwarzwald, "Guggemusik" ihre akustische Kanonade, die ordentlich Bewegung in die anwesenden Kostüme bläst.

Im Vorraum steht einer der Ehrengäste des Abends: Daniel Sellier, Choreograph vom Club "Samarobriva Dance Batton" aus Amiens.

Auf die Frage, was ihm am närrischen Treiben à la Ruhrpott am besten gefiele, antwortet Sellier "Oui", sehr freundlich, sehr distinguiert - und sehr verständnislos. Denn obwohl die beiden Karnevalsvereine seit 15 Jahren Bütt und Bühne teilen, am Jahresanfang Huckarde und im Sommer die französische Partnerstadt rocken - die Sprachbarriere steht wie einst die Bastille. Macht aber nix, erklärt KG-Ehrenmitglied Wladec Puchacz (Foto), dank oberschlesischer Eltern verstünde er die Franzosen ganz gut. Und seine weniger sprachgewandten Kollegen kommunizieren eben mit Hand und Fuß.

"Sehr nett"

Außerdem sind die wichtigsten Vokabeln ja schnell gelernt. "Die Deutschen sind nett", beweist Tänzerin Amandine Pouchet (16, Foto) Mut zur Wahrheit - zwar nur ein Satz, aber nahezu akzentfrei und garniert mit entzückendem Lächeln. Vincent Poret (27) würdigt lieber die hiesigen Spezialitäten: "Dortmunder Bier ist ok", bevor er sich fragend zwei Freunden zuwendet: "Schnaps a trois?"

Um die artistischen Darbietungen zu genießen, braucht man eh kein Wörterbuch: Sowohl die Huckarder Funkenmariechen als auch die "Majorettes" der Gäste ernten begeisterten Applaus.

Und während zwischendurch die schrille Putzfrau "Matta" die etwas gröberen Kaliber zündet ("Warum schmieren sich Blondinen Sonnenmilch aufs Tampon? - Sie haben im Wetterbericht von der 'sonnigen Periode' gehört!"), denkt Wladec Puchacz schon wehmütig an den bevorstehenden Abschied am Dienstag. Der folgt auch einem eigenen Ritual - ohne Worte: "Erst viermal Küsschen, dann steigen sie in den Bus, wir alle weinen. Dann steigen sie wieder aus, und es geht von vorne los. Das dauert 'ne Stunde!" tag

Narren verstehen sich auch ohne Worte

<p>Für "Samarobriva Dance Batton" aus Amiens richtete die Dortmunder Show und Tanz KG eine Prunksitzung aus. Schütze</p>

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