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Nicht drin, was drauf steht

Es ist nicht die Ausnahme, es ist die Regel: Der ganz alltägliche Wahnsinn in den Apotheken: Seit dem so genannten Wettbewerbsstärkungsgesetz bekommen die Kunden nicht unbedingt das, was ihnen der Arzt aufgeschrieben hat.

14.02.2008

Entsprechend verständnislos reagieren viele. Umso schwieriger werden für Apotheker die Erklärungsversuche.

Apotheken-Sprecher Kristian Reissig (Foto) bedauert, aber die Krankenkassen hätten Rabattverträge mit den Pharma-Herstellern geschlossen, und je nachdem bei welcher Kasse der Patient versichert ist, erhält er nicht mehr sein gewohntes Präparat. Selbst dann nicht, wenn dies sogar günstiger ist oder er die Differenz aus eigener Tasche bezahlen will.

Zwar könnten auch Ärzte nachschauen, mit welchen Pharma-Firmen die Kassen Verträge abgeschlossen, "wenn sie die Zeit dazu haben", ergänzt der Apotheker. Sie würden, wie gewohnt, das Rezept schreiben, aber die Apotheker dürften nur das abgeben, was laut Vertrag mit der Krankenkasse möglich sei: "Es geht immer um gleiche Wirkstoffe. Nehmen wir den gängigen Schmerz- und Entzündungshemmer Diclofenac und einen Patienten, der immer Voltaren aufgeschrieben bekam. Findet sich dies nicht auf der Liste seiner Kasse, können wir ihm kein Voltaren aushändigen. Auch nicht, wenn's namentlich auf dem Rezept steht." Die 250 gesetzlichen Krankenkassen haben mehrere tausend Rabattverträge mit über 60 Herstellern für fast 24 000 Arzneimittel abgeschlossen. Reissig veranschaulicht die Dimension: "Bei den Apotheken mussten zehn Millionen Datensätze eingestellt werden."

Welcher Patient versteht so etwas noch? Offenbar niemand mehr, denn der vollends verwirrte und verärgerte Kunde sei bald der Regelfall, so Reissig. Von Stammkunden seien die Arzneien in der Regel beim Apotheker gespeichert. Patienten sollten sich ihr Rezept, auf dem maximal drei Arzneimittel aufgeschrieben sein dürfen, sehr genau ansehen: Links finden sich drei kleine Kästchen. Falls "aut idem" (gemeint ist damit "oder das Gleiche") angekreuzt ist, müssten die Apotheken wirklich das Medikament abgeben, was der Arzt aufgeschrieben hat.

Die AOK Westfalen-Lippe zeigt sich großzügig: Falls Apotheker nicht das Medikament vorrätig haben, wofür der Vertrag abgeschlossen wurde, z. B. ein bestimmtes Antibiotika, dürfen sie auch die Alternative abgeben. Müssen dies aber ausführlich dokumentieren. bö

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