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Scheitern ist erlaubt

Heute beginnt die Fastenzeit: In diesem Jahr läuft die Aktion "Sieben Wochen ohne" der ev. Kirche unter dem vordergründig irritierenden Motto "Verzicht auf Geiz". Jörg Heckenkamp sprach mit Hans Steinkamp (Foto). Der 49-Jährige ist Mitarbeitervertreter bei den Vereinigten Kirchenkreisen, fastet privat seit fünf, in einer kirchlichen Gruppe in Wellinghofen sei zwei Jahren.

05.02.2008

Hallo Herr Steinkamp, das Fasten ist doch eher eine katholische Tradition. Wie kommt es, dass die ev. Kirche schon zum 25. Mal zu "Sieben Wochen ohne" aufrufen kann?

Steinkamp: Wir haben damals offene Türen eingerannt mit unserem Angebot. Das Bedürfnis der Menschen nach Spiritualität war und ist groß.

Was sind das für Menschen, die in eine Fastengruppe kommen?

Steinkamp: Meistens welche, die sich schon mal mit dem Thema befasst haben.

Gibt es Grundvoraussetzungen?

Steinkamp: Nein, außer, sich mit dem Thema zu beschäftigen und bereit zu sein, ins Gespräch zu kommen.

Besteht dann nicht die Gefahr, immer dieselben anzusprechen?

Steinkamp: Das glaube ich nicht, der Kreis vergrößert sich stetig.

Was ist das Attraktive am Fasten, am Verzicht in einer Überflussgesellschaft wie der unsrigen?

Steinkamp : Materiell geht es den meisten sicher gut. Aber es fehlt oft der Reichtum an Kontakten zum Mitmenschen, man kann auch sagen an Nächstenliebe. Das Materielle ist nicht das Entscheidende.

Könnte das diesjährige Motto "Verzicht auf Geiz" nicht missverständlich sein?

Steinkamp: Der Titel ist natürlich bewusst provokant gewählt. Er signalisiert, dass man etwas von sich geben soll...

...womit nicht unbedingt Geld gemeint ist?

S teinkamp: Nein, man soll mit seinem Engagement an Zeit z. B. anders umgehen.

Bitte ein Beispiel.

Steinkamp : Ich möchte bis Ostern alle aufgeschobenen Kontakte wahrnehmen.

Also Freunde, Bekannte, Familienmitglieder anrufen?

Steinkamp: Genau, oder sich verabreden. Außerdem habe ich mir vorgenommen, auch meine Zeit denjenigen zu schenken, zu denen ich sonst keinen Kontakt pflege.

Auch hier ein Beispiel.

Steinkamp: Das ist jetzt schlecht für die Zeitung.

Sie meinen also Leute, die nicht unbedingt ihre Freunde sind?

Steinkamp: Richtig. Ich glaube, wenn man so etwas macht, kann man nur gewinnen.

Hört sich so an, als wäre so etwas schwieriger, als z. B. sieben Wochen auf Süßes oder Bier zu verzichten.

Steinkamp: Das machen wir zusätzlich. Sieben Wochen ohne Auto, außerdem verzichten meine Frau und ich auf Süßigkeiten, Zigaretten und Alkohol. Aber ich glaube, seine Zeit anderen zu schenken, ist tatsächlich deutlich schwieriger.

Und wenn Sie es nicht schaffen?

Steinkamp: Das ist nicht so schlimm. Ein Scheitern gehört zur Erfahrung mit dazu. Auch unsere Fastengruppe soll ja keinen sozialen Druck ausüben, alles durchzuhalten.

Sondern?

Steinkamp : Ein Forum zu geben, sich auszutauschen. In der Gruppe ist es außerdem einfacher, wenn man mit Menschen wie du und ich zusammen ist, die das gleiche machen.

Wer an Fastengruppen interessiert ist, kann sich bei den Vereinigten Kirchenkreisen melden unter Tel. 84 94-367.

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