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Swingin' Dortmund

Er scheint ein wenig aus der Zeit gefallen, der junge Mann, der da die Gaststätte "Kaktusfarm" im Klinikviertel betritt: Seine schwarzen Hosenträger halten eine schwarze Bundfaltenhose über dem weißen Hemd. Dazu trägt er schwarz-weiße Schuhe und einen am Nacken akkurat rasierten Haarschnitt.

22.02.2008

Swingin' Dortmund

<p>Peter im 1930er-Stil.</p>

Genau genommen ist Peter auch aus der Zeit gefallen. Er liebt nicht nur die Kleidung aus den 1920er, 1930er Jahren, er liebt auch den Swing - und den dazu passenden Paartanz. Der heißt "Lindy Hop", entstand um 1920 im New Yorker Harlem und wurde ursprünglich von Afroamerikanern getanzt. In Deutschland gibt es das Lindy Hop-Revival seit gut zehn Jahren, und seit etwa zwei Jahren ist auch Dortmund infiziert. Schuld daran sind Peter Bieniossek und Marina Fischer, die zwei Mal wöchentlich Tanzkurse in der "Kaktusfarm" anbieten.

Marina stöpselt das i-Pod-Kabel in die Lautsprecher. Die Musik, die kurz darauf den Saal beschallt, dürften die Senioren des Männergesangvereins, die nebenan sitzen, noch aus ihrer Jugend kennen. Unwillkürlich fangen die Füße an, im Takt zu wippen.

Wer die neuen Fans der alten Gute-Laune-Musik sind, ist schwer zu sagen: Einige sind Studenten Mitte 20, andere sind um die 50. Was alle gemein haben: Sie kommen im Laufe der anderthalb Stunden mächtig ins Schwitzen, und sie verlassen die "Kaktusfarm" mit einem breiten Lächeln. Beschwingt eben.

"Der erste Kursus startete mit acht Leuten. Inzwischen sind es mehr als 100, und es werden immer mehr", erzählt Tanzlehrer Peter, der über die Tanzschule und den Boogie Woogie zum Lindy Hop fand. Tagsüber verwaltet er Immobilien, abends sorgt er dafür, dass sich der Lindy Hop-Virus weiter verbreitet.

An den Wochenenden fährt er ebenso wie viele seiner Tanzschüler zu den raren Partys bzw. Ball-Nächten, mitunter auch bis nach Belgien. Zu solchen Gelegenheiten putzen sich die Swing-Jünger richtig heraus, bis sie aussehen wie ihre Vorbilder: Ginger Rogers etwa oder Clark Gable. "Der Klassiker für die Damen sind Wasserwellen für die Haare, Puffärmel, enge schmale Röcke und hohe Riemchenschuhe", beschreibt die 36-jährige AnnGee.

Marc sitzt heute am Rand und schaut zu, er ist krank. Dass er trotzdem da ist, beweist schon, was alle behaupten: Lindy Hop macht glücklich. "Der Tanz ist nicht so stocksteif und verstaubt, sondern schön dreckig", beschreibt der 36-Jährige, "man geht richtig mit".

Lindy Hop baut auf vier Grundschritten auf, die "Texas-Tommy" heißen oder "Swing Out". Von diesen Grundschritten gibt es Dutzende Abwandlungen. "Das Schöne ist: Man macht keine Fehler, sondern Variationen", sagt die 36-jährige Iris grinsend. Katrin Pinetzki

Swingin' Dortmund

<p>Swing-Spaß.</p>

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