Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Viagra im Teebeutel verpulvert

DORTMUND Das Internet liefert‘s frei Haus: Pulverisiertes Viagra im Teebeutel oder Diätpillen, die mit Sibutramin gefüttert wurden, einem hoch wirksamen Appetitzügler – da bekommt auch Dortmunds Amtsapotheker Herzrasen.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 01.02.2008

Georg Bühmann warnt: „Die Leute wollen für ihre Gesundheit etwas Pflanzliches und bekommen Rheuma-Tee mit Cortison.“ Als Apotheker in Diensten des Gesundheitsamtes appelliert er dringend: „Hände weg von dubiosen Angeboten aus dem Internet.“ Oft als „Nahrungsergänzungsmittel“ auf Internet-Seiten vom asiatischen oder amerikanischen Kontinent beworben, handele es sich in Wirklichkeit um hochwirksame chemische Pharmaka.

Mindestens 40 Spam-Mails, so schätzt Bühmann, bekäme er täglich auf seinen Bildschirm, „weil in meiner Aufgabenbeschreibung der Begriff ´Arzneimittel` auftaucht.“ Die Internet-Anbieter wollen dem 48-Jährigen Potenz- und Schlankheitsmittel unterjubeln, Raucherentwöhnungspillen und hochwirksame Schmerzmittel, in denen sich Codein verbirgt, das verschreibungspflichtig ist.

Irgendwann platzte Bühmann der Kragen und er rief bei einer dieser obskuren Internet-Apotheken an: „Die Web-Site des Anbieters war in Tuvalu im Ostpazifik beheimatet, hinter der 0800er-Nummer steckte ein Call-Center in Israel, und als Auslieferer war eine Adresse in Kanada angegeben.“

Stets neue Spielarten überschwemmten den Internet-Markt, so der Amtsapotheker, darunter eine Unzahl an Fälschungen und falschen Produktangaben, während man sich beim Einkauf vor Ort darauf verlassen könne: was draufsteht ist auch drin.

Mindestens 100 Mal in Jahr hat Bühmann Kontakt zum Zoll, „denn im Postverkehr ist die Einfuhr von Arzneimitteln grundsätzlich verboten“, unterstreicht die Sprecherin des Hauptzollamts, Ilona Fiorentino. Allein das Zollamt Wickede-Ost kontaktiert Bühmann in Zweifelsfällen etwa zehnmal im Monat. Jährlich an die 60 Sendungen werden von den Zöllnern des Flughafens herausgefischt, denn für den Reiseverkehr gilt: Erlaubt ist nur die Ration für den Eigenbedarf von bis zu drei Monaten.

Lesen Sie jetzt