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Von Pferden, Eseln und Dienstwagen

20.02.2008

Das "Kleine 1x1 der Sozialen Marktwirtschaft", das die IHK an Schulen in Dortmund verteilen lässt, hat durchaus auch für Menschen jenseits von Pubertät und Abi-Stress Unterhaltungswert. Immer wieder erfrischend ist es, wenn die Bürokraten mit ihrer überbordenden Phantasie auf die Schippe genommen werden.

So erfährt der Leser im 1x1, dass sich die Spitzenbeamten des Bundesfinanzministeriums "im steten Bemühen, das Steuerrecht möglichst exakt der Lebenswirklichkeit anzupassen", gründlich in die Pferdematerie eingearbeitet haben. Es ging dabei um die staatstragende Frage, welches Tier bei einem Kauf mit einem normalen Mehrwertsteuersatz zu belegen ist und welches mit einem ermäßigten Satz. Dabei machen die Bürohengste deutlich: Pferd ist nicht gleich Pferd. Während nämlich für "Hengste, Wallache, Stuten, Fohlen" grundsätzlich der ermäßigte Steuersatz gelte, sei auf "Przewalski-Pferde, Tarpane (Mongolei) sowie Zebras und Zebroide" der volle Satz anzuwenden.

Geschlachtet begünstigt

Doch das kabarettreife Gebaren der Finanzjongleure geht noch weiter, sie tauchen noch tiefer in die tierische Materie ein und bestimmen: "Kreuzungen zwischen Eselhengst und Pferdestute (Maultier) sowie zwischen Pferdehengst und Eselstute (Maulesel) werden steuerlich gefördert", der einfache Esel hingegen nicht - jedenfalls nicht zu Lebzeiten. Geschlachtet und zum Verzehr bestimmt, erfreut auch er sich der steuerlichen Begünstigung. Was dem Esel schnuppe sein dürfte.

Und so geht es fröhlich weiter. Man erfährt im 1x1, dass Pilze und Trüffel subventioniert werden, sofern sie nicht in Essig eingelegt wurden. Malbücher für Kinder werden gefördert, wenn auszuschließen ist, dass "auf mehr als der Hälfte der Seiten eine Bastelschere zum Einsatz kommen soll".

Ob dieser Ministerialbürokraten werden jetzt viele verständnislos den Kopf schütteln. Doch Vorsicht! Die Unternehmen selbst pflegen zum Teil eine Regelungswut, die der staatlichen in nichts nachsteht. Das hat u.a. "Die Zeit" recherchiert.

Wohin mit Spende?

Da regelt ein Unternehmen z. B. ganz genau, ab welchem Rang welcher Kollege welchen Dienstwagen fahren darf, ob er Anspruch auf ein Büro mit einem oder zwei Fenstern hat und ab wann der Drehstuhl eine Kopfstütze und verstellbare Armlehnen haben muss.

Oder es gab in einer Firma die eigentlich löbliche Idee, zehn alte Computer nicht zu entsorgen, sondern einer Schule zu spenden. Zum Tippen und Internet-Surfen reichten sie allemal. Der Abteilungsleiter war einverstanden, nur die Buchhalterin protestierte: "Wenn ich die Computer als Spende ausbuche, ergibt sich in der Bilanz ein Verlust von 800 . Schmeißen wir sie weg, sind es nur 500". Schließlich erklärte sich die Schule bereit, die Differenz von 300 zu bezahlen. Doch wieder regte sich die Buchhalterin: "Wir haben doch kein Konto, auf das wir das Geld buchen können ..." "Die Zeit" weiß zu berichten, dass die Schule die Computer nie gesehen hat. Bettina Kiwitt

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