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Weckdienst kostet 40 Euro

Wenn Michael zur Tür hereinkommt, schlagen viele Herzen höher. Was weniger an dem Auftritt des 49-Jährigen liegt, als vielmehr an seinen Worten: "Guten Tag, die Fahrausweise bitte!"

29.02.2008

Weckdienst kostet 40 Euro

<p>Bei diesen Fahrgästen waren die Tickets in Ordnung.</p>

Mit zwei Kollegen ist der Kontrolleur der DSW21 gerade in die U42 gestiegen. Durch unterschiedliche Türen: "Teamwork ist wichtig für uns, wir halten immer Blickkontakt. Wenn ein Fahrgast plötzlich aufsteht, fragt ihn der Partner nach dem Ticket", erklärt Michael und zeigt einem jungen Mann seinen Ausweis. Der zückt sein Ticket. "Das ist schon das zweite Mal, dass ich heute kontrolliert werde", stöhnt der junge Mann.

Im selben Moment notiert Kollege Peter (52) die ersten Personalien. Eine ältere Frau hat keine gültige Marke in ihrem Schwerbehindertenausweis. "Die neue liegt zuhause", entschuldigt sie sich. Kurz darauf nimmt sie einen Zahlschein entgegen - 40 Euro kostet die Vergesslichkeit. "Wenn sie die gültige Marke in den nächsten zwei Wochen vorlegt, reduziert sich die Gebühr auf 2,50 Euro", sagt der DSW21-Mitarbeiter.

Die Frau reagiert gelassen auf den "Strafzettel". "Das tun die meisten, wenn man ihnen das Vorgehen vernünftig erklärt." Michael steckt sein elektrisches Prüfgerät in die Tasche. Nein, natürlich gebe es auch manchmal Ärger. Beschimpfungen. Und Übergriffe. "Aber das sind Ausnahmen. Und die meisten werden schlagartig ruhiger, wenn sie merken, dass wir nicht alleine unterwegs sind."

Wie bestellt wirkt angesichts dieser Worte ein junger Mann mit kurzen Haaren und Jeans-Kleidung, der beim Anblick von Michael Richtung Tür schleicht. Sein Ticket 1000 ist seit Monaten abgelaufen. "Ich muss hier raus, ich hab keine Zeit", ruft er und will sich am Kontrolleur vorbei drängen. Michaels breites Kreuz blockiert den Ausstieg. Peter tritt hinzu. Der 29-Jährige beruhigt sich.

Ausweis, Personalienfeststellung, Zahlschein. An der nächsten Haltestelle wechselt das Team den Wagen. Die Entwerter klingeln. "Das ist typisch, viele stempeln erst ab, wenn sie uns bemerken. Aber dann ist es zu spät." Das erklärt Michael auch einem jungen Mann, der seine schwarze Kappe tief ins Gesicht gezogen hat. "Das hab ich bloß vergessen!" Nein, der Kontrolleur kann da kein Auge zudrücken.

Auch nicht bei der jungen Frau, die scheinbar auf ihren Sitz eingeschlafen ist. Peter weckt sie sanft, aber bestimmt. Ihr Ticket verlor schon vor vier Haltestellen seine Gültigkeit. "Die Masche kennen wir natürlich", sagt der 52-Jährige und tippt ihren Namen in sein Prüfgerät.

Andere beliebte Ausreden: "Der Verkaufsautomat war defekt." Das lasse sich meist mit einem Anruf in der Leitstelle überprüfen. Eine seltsame, aber immer wieder gebrachte Entschuldigung: "Ich dachte, eine Station sei frei. Das steht doch im Grundgesetz." Von wegen. Einen typischen Schwarzfahrer gibt es nicht, weiß Wolfgang (49). Das junge Mädchen, der ältere Herr, der Obdachlosen und der Schlipsträger: Sie alle hat er schon fade Ausreden stammeln hören.

Wegen notorischer Fahrausweis-Betrüger müssen die Kontrolleure immer wieder zu Gerichtsterminen. Sind die Strafen ausreichend? "Ich glaube schon", sagt Michael. Wiederholungstäter bekämen neben einer satten Strafe manchmal auch die Auflage, sich ein Dauerticket zu kaufen.

Das Team steigt in die nächste Bahn. Immer im Dienst der Gerechtigkeit: "Der Ehrliche soll nicht der Dumme sein", sagt Michael. Andreas Wegener

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