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Zug der Empörung

DORTMUND In die Trauer um die ermordeten jüdischen Kinder mischt sich Wut. Wut auf die Deutsche Bahn. Wenn der "Zug der Erinnerung" am 8. Mai in Auschwitz einläuft, hat er nach Stationen in über 50 Städten in Deutschland 90 000 Euro in die Bahn-Kasse gespült.

11.02.2008

"Mehdorn könnte zwei Tage auf sein Gehalt verzichten", schlägt Andreas Roshol vom Dortmunder Jugendring vor. Unterstützung erhält er von Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer: "Die Bahn wäre gut beraten, sich an der Erinnerungsarbeit selbst zu beteiligen. Es ist ihre Geschichte", wettert das Stadtoberhaupt.

Gerade hat sich Langemeyer durch den "Zug der Erinnerung" führen lassen von gut 20 Schülern der Droste-Hülshoff-Realschule in Kirchlinde und der Johann-Gutenberg-Realschule in Wellinghofen. Der OB zeigte sich tief betroffen: "Das ist eindrucksvoll. Das sind Menschen, die man sich konkret vorstellen kann, Menschen, die heute noch leben könnten. Diese Ausstellung ist authentisch. Die Erinnerung muss wach gehalten werden. Vor allem, wenn Gedankengut aufkommt, das junge Menschen verführen soll."

Luise Feldbrügge und Melina Schäfer sind gewappnet gegen rechte Verführer. Seit zwei Jahren schon beschäftigen sich die Schülerinnen der neunten Klasse der Johann-Gutenberg-Realschule in ihrer Geschichts-AG mit dem Nazi-Terror. Sie halfen mit, das Schicksal von Walter Lenneberg aufzudecken, geboren am 23. September 1930 in Dortmund, aufgewachsen am Aplerbecker Markt und 1942 nach Theresienstadt deportiert. Die Schülerinnen recherchierten in Deportationslisten aus dem Internet und dem Stadtarchiv, fanden in Schwester Ursula Pawel eine Überlebende der Familie Lenneberg und studierten das Buch, was die heute 81-jährige US-Bürgerin schrieb. Das Fazit der beiden: "Wie schlimm es wirklich war, sieht man erst bei seinen eigenen Recherchen." Beäng-stigend fanden die beiden die totale Manipulation der ganzen Gesellschaft. Gestern noch spielten Kinder mit ihren jüdischen Freunden, am nächsten Tag bekamen sie von ihren Lehrern gesagt: "Nun wird es in den Schulen schön, denn alle Juden müssen gehen."

Bereits am ersten Tag seines Dortmund-Halts auf Gleis 26/31 sahen sich am Sonntag über 1000 Besucher die bedrückende Ausstellung an. Bis Mittwochabend, 20 Uhr, werden u. a. 55 Klassen mit 1500 Schülern auch die Dortmunder Ergebnisse dieser Spuren-Suche erkundet haben. Jetzt wäre die Bahn am Zug, auf die 500 Euro Standgebühren pro Tag in den Städten zu verzichten. bö

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