Drama von Voerde: „Frau stand lächelnd am Bahnsteig“ – Zeuge führte den Todesstoß vor

hzUrteil in Duisburg

Die Tat war der reinste Albtraum. Vor sechs Monaten ist eine Frau am Bahnhof Voerde vor einen Zug gestoßen worden. Sie war sofort tot. Jetzt ist der Täter in Duisburg verurteilt worden.

Voerde, Duisburg

, 29.01.2020, 06:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei dieser Tat läuft es selbst Unbeteiligten eiskalt den Rücken herunter. Rund sechs Monate ist es her, dass eine 34-jährige Mutter am Bahnhof Voerde vor einen fahrenden Zug gestoßen wurde. Sie hatte keine Chance, war noch im Gleisbett verstorben.

Der Täter? Ein schwer kranker Mann. Am Dienstag ist er vom Duisburger Schwurgericht auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.

Der 28-Jährige hat selbst neun Kinder von zwei Frauen. Als die Richter das Urteil verkündeten, blickte er fast teilnahmslos durch den Gerichtssaal. Nur wenige Meter entfernt saß die Schwester des Opfers. Auch sie mit versteinerter Miene.

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Wie die Angehörigen mit der Tat leben können? „Das weiß ich nicht“, sagte Til Heene aus Bochum, einer der Anwälte der Familie. „Ich weiß nicht, wie man mit so eine tragischen Schicksal leben kann.“ Wichtig sei aber vor allem, dass die Gesellschaft in Zukunft vor dem Täter geschützt werde. Und das sei durch das Urteil nun passiert.

Es hätte jeden treffen können

Es hätte jeden treffen können, an jenem 20. Juli 2019. Die 34-Jährige stand am Bahnsteig – ganz vorschriftsmäßig, hinter der weißen Abstandslinie. Eine Zugbegleiterin, die bei der Einfahrt des Zuges neben dem Lokführer gestanden hatte, hatte sie sogar gesehen. „Sie lächelte“, hatte sie den Richtern bei ihrer Zeugenvernehmung gesagt. Dann das Unfassbare: Ein Mann kommt von hinten, stößt sie mit voller Wucht vor den Zug.

Zeuge führte den Stoß vor

Ein Zeuge, der ebenfalls auf dem Bahnsteig war, hatte die Szene im Prozess sogar vorgemacht. Die Verteidigerin hatte ihn dazu aufgefordert und sich freiwillig zur Verfügung gestellt. Was dann passierte – damit hatte sie aber offenbar selbst nicht gerechnet: „Sie wurde im freien Flug über mehrere Meter weggeschleudert und musste auf der anderen Seite des Saales aufgefangen werden“, so Richter Joachim Schwartz bei der Urteilsbegründung. Der Zeuge hatte es offenbar genau so gemacht, wie der Täter.

Angeklagter sprach von einem Versehen

Der 28-Jährige selbst hatte im Prozess von einem Versehen gesprochen. Er habe sich schlecht gefühlt, an jenem Morgen. Ihm sei schwindelig gewesen, er habe geschwankt. Möglicherwiese habe er sich bei der Frau abstützen wollen. Mehr aber auch nicht. „Ich schubse keine Frauen“, hatte er seine Verteidigerin in seine Namen erklären lassen. Das hielten die Richter jedoch für widerlegt.

Es gab keinen Anlass, nicht einmal ein Gespräch zwischen Täter und Opfer. Nur einen Streit des 28-Jährigen mit einem anderen Familienvater. „Das Motiv bleibt unklar“, hieß es dann auch im Urteil.

Die einzige Erklärung ist die psychische Erkrankung des 28-Jährigen. Von Schizophrenie war im Prozess die Rede. Und von Drogenmissbrauch. Eine klassische Bestrafung wegen heimtückischen Mordes kam deshalb nicht in Betracht. Der in Deutschland geborene Serbe gilt als schuldunfähig.

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