Dunkelziffer bei Corona-Infektionen höher als bisher angenommen

Studie Coronavirus

Die Dunkelziffer bei den Corona-Infektionen ist in Kupferzell doch höher als bisher gedacht. Das Robert-Koch-Institut hat jetzt neue Ergebnisse seiner Studie „Corona-Monitoring lokal“ veröffentlicht.

Kupferzell

28.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur 7,7 Prozent der Kupferzeller hatten neutralisierende Antikörper im Blut.

Nur 7,7 Prozent der Kupferzeller hatten neutralisierende Antikörper im Blut. © picture alliance/dpa

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat neue Ergebnisse zu seiner Studie „Corona-Monitoring lokal“ aus dem ehemaligen Corona-Hotspot Kupferzell in Baden-Württemberg präsentiert. Zwischen dem 20. Mai und 9. Juni 2020 hatte die Behörde 2203 Einwohner auf Sars-CoV-2 getestet und Blutproben für Antikörpertests entnommen. Die Antikörperuntersuchungen zeigen nun, dass 12 Prozent der Getesteten mit dem Coronavirus infiziert waren – das sind sechsmal mehr Infektionen als bisher bekannt.

Weniger als ein Drittel der Teilnehmer waren asymptomatisch

Erste Daten aus Kupferzell hatte das RKI Mitte August präsentiert. Damals war die Dunkelziffer noch deutlich geringer gewesen: Die Behörde hatte angegeben, dass 3,9-mal mehr Infektionen als bekannt festgestellt werden konnten. Inzwischen wurden die Ergebnisse gewichtet. Das bedeutet: „Die Stichprobe wurde durch ein Gewichtungsverfahren bezüglich Alter, Geschlecht und Bildungsverteilung an die Bevölkerungsstruktur in Kupferzell angeglichen“, schreibt das RKI.

Dabei ist ferner herausgekommen, dass 76 Prozent der positiv getesteten Teilnehmer mindestens ein coronatypisches Symptom (Fieber über 38 Grad, Atemnot oder Kurzatmigkeit, Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Schmerzen beim Atmen, Halsschmerzen und Geruchs- oder Geschmacksverlust) hatten. Nur 24 Prozent waren asymptomatisch.

Von den Kupferzellern, die positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, konnten bei 11 Prozent keine Antikörper nachgewiesen werden. „Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunität besteht, da die Immunabwehr sich nicht nur auf Antikörper stützt“, heißt es vom RKI.

Neutralisierende Antikörper nur bei wenigen Teilnehmern vorhanden

Blutproben, die Antikörper gegen Sars-CoV-2 aufwiesen, wurden anschließend einem Virusneutralisationstest an der Berliner Charité unterzogen. Dabei untersuchten die Forscher, ob die Antikörper verhindern können, dass das Coronavirus in die menschlichen Zellen eindringt.

Neutralisierende Antikörper konnten schließlich bei 7,7 Prozent der Teilnehmer identifiziert werden. Davon hatte die Mehrheit (83 Prozent) zuvor mindestens ein coronatypisches Symptom, nur 17 Prozent waren asymptomatisch.

Kupferzell war für die RKI-Studie ausgewählt worden, weil es im März zu einer Vielzahl an Corona-Infektionen innerhalb kurzer Zeit gekommen war. Neben der baden-württembergischen Stadt sind auch noch Berlin-Mitte, Straubing (Bayern) und Bad Feilnbach (Bayern) als Untersuchungsorte ausgewählt worden. Für die Stadt Bad Feilnbach sind ebenfalls erste Daten veröffentlicht worden.

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