E-Scooter auf A40 geworfen: Duo wegen Mordversuch verurteilt - Opfer bitten um mildes Urteil

hzLandgericht Bochum

Neun Meter tief hatten zwei junge Männer in Bochum einen E-Scooter auf die A40 geworfen. Die Anklage lautetet auf Mordversuch. Denn nur reines Glück wendete wohl eine Katastrophe ab.

Bochum

, 26.03.2020, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem lebensgefährlichen Wurf eines 25 Kilo schweren E-Scooters auf die Autobahn A40 in Bochum sind zwei Brückenwerfer am Donnerstag am Bochumer Landgericht wegen Mordversuchs verurteilt worden.

Gegen einen 18-Jährigen aus Bochum wurden drei Jahre Jugendhaft, gegen seinen vier Jahre älteren Kumpel aus Hattingen dreieinhalb Jahre Haft verhängt.

Bis zu 2,9 Promille beim Wurf des E-Scooters

Die beiden Freunde waren am 23. September 2019 abends sturzbetrunken (bis zu 2,9 Promille) durch Bochum getorkelt. Gegen 20.40 Uhr hatten sie einen kurz zuvor mitgeschleiften E-Scooter erst auf eine Plexiglaswand gewuchtet und das Geschoss dann von einer Tunneleinfahrt unweit vom Bochumer Ruhrstadion auf den befahrenen Ruhrschnellweg fallen lassen.

„Der E-Roller wurde quasi auf einen Blindflug geschickt“, sagte Richter Johannes Kirfel mit Blick auf die komplett fehlende Sicht auf die A40. Der Elektroroller („Lime“) war aus etwa neun Metern Höhe und mit Tempo 43 direkt auf die Fahrbahn gekracht.

Reines Glück: Keine verheerende Unfallkatastrophe

Dass es dabei nicht zu einer verheerenden Unfallkatastrophe mit durch ein Brückengeschoss getöteten Autofahrern und Beifahrern, wie bereits in einigen vergleichbaren Fällen geschehen, gekommen sei, sei reines Glück gewesen.

„Denkbar war ein solches Szenario auch hier“, hieß es in der Urteilsbegründung. Und wenn man sich ein solches mögliches Schreckensszenario vor Augen führe, dann könne man nicht ernsthaft daran zweifeln, dass das am Ende zu einer Verurteilung wegen versuchtes Mordes führen muss.

Eine Autofahrerin war damals als erste in den auf der linken Spur gelandeten Roller hineingefahren, weitere Pkw folgten. Alle Autofahrer kamen aber letztlich weitestgehend mit dem Schrecken davon.

„Waren wir nicht alle mal jung und haben Fehler gemacht?“

Dem Umstand, dass sich die betroffenen Opfer im Prozess sogar außergewöhnlich verständnisvoll vor die jungen Brückenwerfer gestellt und ausdrücklich um Milde, Nachsicht und eine Zukunftsperspektive geworben haben („Waren wir nicht alle mal jung und haben Fehler gemacht?“), zollten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht höchsten Respekt.

„Die Opfer haben Größe gezeigt“, lobte Richter Johannes Kirfel. Nicht zuletzt habe das beachtlich menschliche und verständnisvolle Auftreten der Opfer neben der erheblichen Alkoholisierung das mögliche Strafmaß entscheidend abgemildert.

Umfangreiche Geständnisse abgelegt

Die beiden Angeklagten hatten im Prozess umfangreiche Geständnisse abgelegt, Schadenswiedergutmachung (1000 Euro) geleistet und bei allen Opfern um Verzeihung gebeten.

Auch kurz vor der Urteilsberatung ergriffen beide nochmal das Wort und entschuldigten sich. Miteinbezogen in die Urteile waren auch noch mehrere mutwillige Verwüstungen an Haltestellenhäuschen mit einem Nothammer.

Obwohl der 18-Jährige laut Urteil bei dem E-Scooter-Wurf der Drahtzieher und der 22-Jährige eher Mitläufer gewesen ist, gab am Ende in seinem Fall die Anwendbarkeit des Jugendstrafrechts den Ausschlag für den „Schiefstand“ bei der Höhe der Haftstrafen.

Beide Angeklagte sollen einen Teil der Haftstrafe in einer geschlossenen Entzugstherapie absolvieren.

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