„Edison“: Benedict Cumberbatch als rücksichtsloses Tüftler-Genie

hzFilm-Kritik

„Sherlock“-Star Benedict Cumberbatch mimt in „Edison“ eine der kontroversesten Figuren in der Wissenschaft – und ist damit das Highlight in einem Kinofilm, der nicht weiß, was er sein will.

Dortmund

, 24.07.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Augenzeugen muss es atemberaubend gewesen sein, als Thomas Alva Edison im Jahr 1880 der Menschheit das Licht anknipste. Auf nächtlichem Feld brachte der geniale Tüftler Dutzende Glühbirnen zum Leuchten. Im Film von Alfonso Gomez-Rejon sind sie zu Kreisen geordnet, die von oben wie ein elektrisches Stonehenge aussehen, mit Edison als Hohepriester und Chef-Schamane.

„Edison“ erzählt davon, wie Licht und Strom in die Welt kamen und sie revolutionierten. Es ist die Geschichte visionärer Männer wie Edison (Benedict Cumberbatch), George Westinghouse (Michael Shannon) und Nikola Tesla (Nicholas Hoult), die am gleichen Strang zogen, aber als Rivalen kämpften.

Eine Schlammschlacht um Patente und Profit

Es wurde eine Schlammschlacht. Edison bezichtigt Westinghouse des geistigen Diebstahls, der nennt ihn vor der Presse einen Scharlatan. Es geht um Patente, um Profite und immer auch um die öffentliche Meinung. Edison setzt auf Gleichstrom, was ein Irrweg war.

Westinghouse propagiert Wechselstrom, den Edison als potenziell tödlich diffamiert. Zum Beweis lässt er Pferde durch Stromschläge töten, er inszeniert die grausame Prozedur als großes Spektakel.

„Edison“ ist Filmbiografie, Erfinder-Denkmal, Technik-Chronik, Fortschritts-Saga, Konkurrenz-Drama, auch Sittenbild und Melodram, und da liegt der Hase im Pfeffer: Viele Erzählstränge und Tonalitäten laufen nebeneinander her, es fehlt die Akzentuierung, der klare Fokus.

„Edison“ verliert isch in einer schwammigen Botschaft

In seiner Botschaft bleibt der Film schwammig, das gilt auch für die Einschätzung seiner Akteure. Mit wem sollen wir sympathisieren? Mit dem Monomanen Edison, der einen Geistesblitz nach dem anderen produziert, aber arrogant und gefühlskalt ist? Mit Westinghouse, den kein Genius umweht, sondern pragmatisches Kalkül? Die Auskleidung der Figuren ermöglicht keine Bindung, auf emotionaler Ebene bietet der Film allenfalls Schwachstrom.

Man kann „Edison“ als Ausstattungs- und Historienschinken goutieren, der optisch delikat angerichtet ist. Es wird immerhin spürbar, welcher Zauber damals in der Luft lag, als ganze Straßen elektrisch illuminiert wurden. Oder man erfreue sich zur Not an Benedict Cumberbatch, dessen spleenig verbohrter Edison wie ein Wiedergänger seines Sherlock Holmes daherkommt.

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