Ehinger und Wang sind ein Traumteam des Balletts

Seit 12 Jahren

Seit 2004 sind der Dortmunder Ballettchef Xin Peng Wang und Ballettmanager Tobias Ehinger ein eingespieltes Team. Die beiden verstehen sich blind und haben Dortmund aus einer Tanz-Diaspora in den Ballett-Olymp geführt. Dass sie ein Traum-Team sind, liegt nicht daran, dass sie am selben Tag, dem 1. September, geboren sind. Wang 1956, Ehinger 1979.

DORTMUND

, 22.12.2016, 18:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

"Ein Freund hat mir Tobias empfohlen und gesagt, ,Du brauchst einen Ballettmanager'", erzählt der chinesische Choreograf, den die ehemalige Dortmunder Opernintendantin Christine Mielitz aus Meiningen nach Dortmund geholt hat.

Wang hat Tobias Ehinger zum Abendessen eingeladen. Der war damals Tänzer am Aalto-Ballett und hatte für die Essener Compagnie schon Tourneen organisiert.

Ballettwunder Dortmund

Am Ende des Gesprächs sagte Wang: "Wenn Du willst, kannst Du morgen mein Ballettmanager sein." Der Tänzer schlief eine Nacht darüber und sagte zu.

"Ich hatte sofort das Gefühl, dass die Chemie zwischen uns stimmt und dass dies die Chance meines Lebens ist", erinnert er sich. Er tanzte parallel zu dem neuen Job noch 41 Vorstellungen in Essen, dann beendete er mit 24 Jahren seine Tanzkarriere. Bereut hat er das nie.

Telefon auf dem Flur

Dabei waren die Arbeitsbedingungen am Theater für das Duo anfangs alles andere als glücklich: Es gab kein Büro für das Ballett, keinen Computer, nur einen Tisch mit Telefon auf dem Flur. Von dort aus haben Wang und Ehinger die erste Internationale Ballett-Gala organisiert. Dann kam Wangs "Schwanensee" - ab da schwärmten Publikum und Kritik vom "Ballettwunder Dortmund".

Heute arbeitet das Duo im Ballettzentrum im Westfalenpark, einer weltweit einzigartigen Einrichtung. In diesen Tagen stehen dort überall Teller mit Lebkuchen, Nüssen und Schokolade - und die Tänzer greifen oft zu. Sie trainieren die Kalorien ja auch sofort wieder ab. An den Wänden hängen Weihnachtskugeln und Tannengrün. Das Ballettzentrum ist Heimat und Familie für die Tänzer.

Eine der bedeutendsten Compagnien der Welt

Für Stars wie Lucia Lacarra, Marlon Dino und Dmitry Semionov ist Dortmund attraktiv. Die gute Arbeit von Wang und Ehinger wird auf der ganzen Welt wahrgenommen; gerade ist in China eine Liste der bedeutendsten Compagnien erschienen - Dortmund ist dabei, Berlin nicht mehr.

Einen Schritt nach dem anderen haben Wang und Ehinger gemacht, um die Compagnie an die Spitze zu bringen: 2007 bekamen die Tänzer endlich Bezahlung nach Tarif, das sorgte für Motivation. 2008 wurde in Dortmund das Ballett als Sparte eigenständig, das gab künstlerische Freiheit.

2009 bekam die Compagnie mit dem Ballettzentrum eine neue Heimat. 2010 wurden Seniorentanzheater, Schoolmotions und Sommerakademie gegründet - das Ballett stellte sich breit auf. Und 2014 kam mit dem NRW-Juniorballett die Zukunft des Tanzes hinzu.

Mut ist das Wichtigste

All' das hat Mut erfordert, "Er ist das Wichtigste, und den hat Xin Peng", sagt Ehinger. Denn mit 18, 19 Tänzern und einem städtischen Zuschuss von knapp einer Million Euro kann man das, was das Dortmunder Ballett erreicht hat, eigentlich nicht realisieren.

Den größeren Teil des Jahresetats erwirtschaftet das Ballett durch Einnahmen und Sponsorengelder selbst: knapp zwei Millionen Euro. Die vergangene Saison war eine Rekordsaison. "Wahrscheinlich können wir sie mit dieser Saison noch übertreffen", freut sich Tobias Ehinger. "Faust I und II" und "Schwanensee" sind die drei Glanzproduktionen 2016.

Immer ehrlich zueinander

"Jeder weiß, welches die Kompetenzen des anderen sind, wir ergänzen uns gut", sagt Ehinger. Trotzdem fragt Wang seinen Ballettmanager auch manchmal in künstlerischen Dingen um Rat. "Diese Idee überzeugt mich nicht, entweder kannst Du mich überzeugen oder lass sie weg", sagt Ehinger dann. "Als Team haben wir zwei Grundsätze: Wir stützen uns gegenseitig nach außen, und wir sind immer ehrlich zueinander", sagt Wang.

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Ehinger arbeitet meist im Theater, Wang im Ballettzentrum. Sie telefonieren jeden Tag und besprechen sich abends. Auch Weihnachten sind sie im Theater. "Wir haben trotzdem ein Privatleben und leben beide in Beziehungen", sagt Ehinger: "Unser Verhältnis ist brüderlich."

"Göttliche Komödie"

Der Vertrag von Xin Peng Wang läuft noch bis 2021. Bis dahin hat das Duo noch viel vor. "Wir möchten mehr auf Tournee gehen, um Geld aus anderen Ländern nach Dortmund zu holen", sagt Ehinger. Mit "Faust II" gastiert das Ballett 2017 in China und 2018 in Israel. Auch Bundes- und Landesmittel wollen beide akquirieren.

Künstlerisch ist der Traum des Traumpaares Dantes "Göttliche Komödie" als Ballett uraufzuführen. Die endet im Paradies. Wie passend.

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