Eleganz und Farbenreichtumvom Orchestre de Paris

Konzerthaus Dortmund

Als Rennfahrer unter den Dirigenten wurde Paavo Järvi bekannt, als er mit seiner Kammerphilharmonie Bremen die Beethoven- und Schumann-Sinfonien im Porsche-Tempo einspielte und aufführte. Mit dem zweiten seiner vier Orchester, dem Orchestre de Paris, ließ es der 52-jährige Este am Samstag im Konzerthaus Dortmund langsamer angehen, zelebrierte gemächlich den Anfang aller drei Werke, nahm dann aber mit dem Orchester rasant Fahrt auf.

DORTMUND

, 22.03.2015, 12:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Khatia Buniatishvili feirte mit ihrer Zugabe Bach.

Khatia Buniatishvili feirte mit ihrer Zugabe Bach.

 

Es war ein musikalisches Sahnetorten-Programm mit zwei Werken, bei denen dem Klassik-Publikum im Konzerthaus Dortmund das Herz aufgeht: dem wunderschönen, aber kurioser Weise selten gespielten Klavierkonzert von Grieg und der fünften Sinfonie von Tschaikowsky und vorweg Schumanns "Genoveva"-Ouvertüre.

Die klang unter den Händen den Franzosen leichter, luftiger und graziler als eine Schumann-Interpretation von deutschen Orchestern. Und gerade diese Eleganz im Ton und der trotzdem vibrierende Klang passte vorzüglich zur Solistin, der ehemaligen "Jungen Wilden"Khatia Buniatishvili.

Sensationelles Spiel von Buniathishvili

So abwechslungsreich wie die norwegische Landschaft war die Interpretation der Georgierin. Was sie mit ihren nur 27 Jahren an Kontrasten und Nuancen aus dieser Musik herausholte, war sensationell. Streichelzart klangen Melodien, die sie gefühlvoll am Klavier aussang; dann stürzte sie sich mit Vehemenz und Kraft des ganzen Körpers in die Akkordwirbel. Mit der ersten Zugabe, einem Suitensatz (vor einem Prélude von Chopin) feierte Buniatishvili Bach, der an dem Tag Geburtstag hatte.

Das Orchestre de Paris scheint, nachdem es gerade seinen neuen, repräsentativen Konzertsaal an der Seine eingeweiht hat, auf einem musikalischen Höhenflug zu sein. Aus einem Guss und von Järvi sehr stringent auf das rauschhafte Finale zugespitzt, klang Tschaikowskys Fünfte.

Am Anfang genüsslich zelebriert, sehr farbenreich im Detail ausgestaltet und am Schluss jubelnd extrovertiert. Und so einen tollen Solohornisten in seinen Reihen zu haben wie die Pariser, ist ein Geschenk. Tschaikowskys Polonaise aus "Eugen Onegin" fügte sich als Zugabe da klug an.

Paavo Järvi kehrt am 10. Mai mit der Kammerphilharmonie Bremen ins Konzerthaus zurück. Man darf auf die Tempi gespannt sein.

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