Eltern kritisieren Schulministerium: „Unterricht darf nicht an Reinigungskräften scheitern“

hzCorona und Schulen

In einem Offenen Brief hat die Landeselternschaft der Gymnasien massive Kritik am NRW-Schulministerium geübt. Bei der Bewältigung der Corona-Krise gebe es massive Versäumnisse.

Dortmund

, 03.06.2020, 14:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Landeselternschaft der Gymnasien in NRW hat in einem Offenen Brief heftige Kritik am nordrhein-westfälischen Schulministerium geübt. Auslöser für diesen Brief, so schreibt Dieter Cohnen vom Vorstand der Landeselternschaft in einer begleitenden Pressemitteilung, sei eine bevorstehende Klausurtagung von fünf Abteilungsleitern des Schulministeriums, um das nächste Schuljahr zu planen: „Die gleichen Abteilungsleiter, die auch in den vergangenen 10 Wochen für das mitverantwortlich sind, was leider aus dem Ministerium alles nicht gekommen ist? Und wieder ohne jegliche externe Expertise hinzuzuziehen...“

Man habe „genug von der Entwicklung von rechtssicheren Verwaltungsakten, die keine der anstehenden Bildungsfragen beantworten“, schreibt Cohnen. Seit vier Wochen, so ist in dem vom Vorstand der Landeselternschaft unterzeichneten Brief zu lesen, mahne man Konzepte für das neue Schuljahr an, aber noch immer gebe es keine Antworten auf entscheidende Fragen.

„Aufgebracht über das Fehlen zentraler Konzepte“

Das beginne beim von Ministerin Yvonne Gebauer für die Sommerferien angekündigte umfangreiche Unterrichts- bzw. Förderangebot für besonders vom Unterrichtsausfall betroffene Schülerinnen und Schüler, schließe aber auch die Zeit nach den Sommerferien mit ein.

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Wörtlich heißt es in dem Brief: „Auf Grundlage unserer Erfahrungen, dass die Vorbereitungen an der ,Front´ sehr komplex und umfangreich sind und vieler Abstimmungen bedürfen, sind wir Eltern aufgebracht über das Fehlen zentraler Konzepte und Vorgaben auf Basis verschiedener Szenarien. Corona ist nicht mehr überraschend.“

„Unterricht darf nicht an Reinigungskräften scheitern“

Konkret benötige man unter anderem genaue Planungen für alle Szenarien vom normalen Schulbetrieb bis zu nochmaligen Schließung. Man müsse erfahren, wie der versäumte Stoff des 2. Halbjahres nachgeholt werden soll.

Technische Fragen von der IT-Ausstattung bis zu Lernplattformen müssten ebenso geklärt werden wie letztlich ganz pragmatische Fragen wie fehlende Räume und: „Unterricht darf nicht an mangelnden Schulbussen und Reinigungskräften scheitern“, heißt es in dem Brief.

„Eltern sind nicht mehr leise“

Bei einigen Fragen, die die Elternschaft stellt, dürfte allerdings das Schulministerium der falsche Ansprechpartner sein. Für die räumliche und technische Ausstattung, für Schulbusse und Reinigungskräfte sind die Kommunen zuständig, nicht das Land und die Ministerin.

Kritik übt die Landeselternschaft auch an der Kommunikation des Ministeriums in den vergangenen Wochen. Die sei absolut unzulänglich gewesen. Der Offene Brief endet mit einem Satz, der sich fast schon wie eine Drohung liest: „Eltern sind nicht mehr leise“.

Stellungnahme des Ministeriums

In seiner Stellungnahme, die uns am späten Nachmittag erreichte, geht das Schulministerium nicht auf die konkreten Vorwürfe ein. Darin heißt es unter anderem: „Ministerin Gebauer hat wiederholt erklärt, dass es ihr Anspruch und Ziel als Bildungsministerin ist, nach den Sommerferien wieder in einen regulären Schulbetrieb mit möglichst viel Präsenzunterricht zurückzukehren. Bei dieser Zielsetzung bleibt es – natürlich immer in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen.“

Es sei ein besonderes Anliegen der Landesregierung, „dass möglichst viel Unterricht in den Schulen unter Einhaltung von Infektionsschutz und Hygieneregeln angeboten werden kann.“ Man wolle sowohl dem Gesundheitsschutz Rechnung tragen als auch das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung zu gewährleisten. Das aber lasse sich am besten in einem Regelbetrieb verwirklichen.

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