Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland feiert 25-jähriges Bestehen

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Seit 25 Jahren geht es bei der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland um Abfälle, Wertstoffe, Logistik und Finanzen, aber vor allem auch um Klima- und Umweltschutz in der Region.

von Von Hans-Georg Knapp

Kreis Borken

, 02.09.2019, 15:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Umwelt- und Klimaschutz seien „heute ja wieder en vogue“, betonte Dr. Christoph Holtwisch als Sprecher der Bürgermeister und Beigeordneten im Kreis Borken. „Schon deshalb lohnt es sich, die EGW heute bewusst und kräftig zu feiern.“ Das hat die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) am Freitag zu ihrem 25-jährigen Bestehen getan – zusammen mit vielen Vertretern aus Politik, Verwaltung, Abfallwirtschaft und Fachverbänden.

Am Standort Gescher/Velen begrüßte EGW-Geschäftsführer Peter Kleyboldt unter anderem den langjährigen technischen Prokuristen Hindrik Stegemann sowie Oberkreisdirektor a. D. Raimund Pingel, „der als Gründungsvater und Impulsgeber die Entwicklung der EGW gerade in den Anfangsjahren ab 1994 sehr eng begleitet hat“.

Kleyboldt blickte auf den Start zurück: Vor 25 Jahren sei die EGW als Gemeinschaftsunternehmen der Kreise Borken und Coesfeld gegründet worden. Von Legden aus habe sie die abfallwirtschaftlichen Aufgaben beider übernehmen sollen. Doch wegen veränderter politischer Rahmenbedingungen habe der Kreis Coesfeld die Gesellschaft 1997 verlassen.

Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland feiert 25-jähriges Bestehen

Am Firmensitz in Gescher/Velen betreibt die EGW auf einer Fläche von über 25 Hektar Kompostwerk, Vergärungsanlage, Mechanisch-Biologische Abfallbehandlung und Grünabfallkompostierungsanlage – neben Fotovoltaik- und Windkraftanlagen. © EGW

Seitdem sei der Kreis Borken alleiniger Gesellschafter, ergänzte später Landrat Dr. Kai Zwicker. Als 100-prozentige Tochter des Kreises biete die EGW viele Vorteile. So erfülle sie für den Kreis und seine Kommunen die abfallrechtlichen Pflichten. Dies geschehe „selbstbestimmt und gemeinsam mit anderen kommunalen Partnern im Westmünsterland“, unterstrich Kleyboldt.

Grundüberzeugung sei, dass sich eine nachhaltige Abfallverwertung und -vermarktung „nur über eine weitgehende und hochwertige Abfallbehandlung in der Region“ umsetzen lasse. Daraus habe sich eine „intensive Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Akteuren im Kreis Borken, im Westmünsterland und Westfalen sowie im nördlichen Ruhrgebiet entwickelt“.

Interkommunale Kooperationen unterhält die EGW etwa mit dem Kreis Recklinghausen und mit den Städten Dortmund und Gelsenkirchen.

Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen

Kleyboldt betonte, dass es hierbei nicht nur um Abfälle, Wertstoffe, Logistik und Finanzen gehe, sondern vor allem um Klima- und Umweltschutz in der Region – „und dieses seit Gründung der EGW vor 25 Jahren“. Um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen, hätten Kreis und EGW die Entsorgungsanlagen am Standort Gescher/Velen konsequent ausgebaut und „Meilensteine“ gesetzt: mit einem leistungsfähigen Kompostwerk und der damals neuen Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung.

Schon früh regenerative Energien erzeugt und genutzt

Schon früh habe die EGW regenerative Energien erzeugt und genutzt: Windenergie, Fotovoltaik, Vergärung. An sämtlichen Standorten produziere die EGW insgesamt rund 20 Millionen Kilowattstunden an regenerativer Energie, berichtete Kleyboldt. Durch regenerative Energieerzeugung könnten die Entsorgungsanlagen am Standort Gescher zu über 92 Prozent „energieautark und kostensparend“ betrieben werden; das komme wiederum den Gebühren zugute.

Der Geschäftsführer deutete auch auf die Teilstromvergärung von Bioabfällen in Gescher und die neuartige Energieversorgung des Kreishauses mit Deponiegas aus der Deponie Hoxfeld. Dort wiederum entstehe bis 2020 eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage, kündigte Kleyboldt an. Um die Kompostvermarktung nachhaltig abzusichern, soll am Standort Gescher/Velen in den nächsten Tagen ein neues Erdenwerk gebaut werden.

Kleyboldt erinnerte zudem an Deponienachsorge, Klärschlammentsorgung und serviceorientierte Wertstoffhöfe, die die Zusammenarbeit mit den Kreiskommunen gefestigt hätten.

Warum es im Kreis keine Müllverbrennung gibt

Auch Landrat Dr. Kai Zwicker rief die Anfänge der EGW ins Gedächtnis: Am 8. September 1994 habe das Unternehmen seine Arbeit aufgenommen. Dass sich der Kreis Coesfeld als Gesellschafter zurückgezogen habe, sei nicht auf Streitigkeiten zurückzuführen – vielmehr sei eine zentrale Geschäftsgrundlage für die gemeinsame Aufgabenwahrnehmung entfallen.

In den 90er-Jahren habe das Land nämlich darauf gedrängt, auch im westlichen Münsterland eine thermische Restabfallbehandlungsanlage zu errichten, erzählte der Landrat. Er berichtete: „Nach langem Hin und Her und massiven Widerständen gab es dafür sogar einen Standort in Legden an der A-31-Auffahrt. Dann änderten sich die abfallpolitischen Zielsetzungen des Landes allerdings gravierend – eine Müllverbrennungsanlage im Westmünsterland wurde daraufhin auf einmal nicht mehr für nötig erachtet.“

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