Ernste Töne zum Auftakt der Bayreuther Festspiele

Sicherheitsvorkehrungen

Zäune, Taschenkontrollen, Trauerflor: Überschattet von den jüngsten Bluttaten haben am Montagnachmittag auf dem Grünen Hügel die 105. Bayreuther Festspiele begonnen. Die Eröffnung des weltberühmten Festivals wurde von einem großen Polizeiaufgebot gesichert.

BAYREUTH

von Julia Gaß/dpa

, 25.07.2016, 18:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Bayreuther Festspielhaus war schwer bewacht. Den Zugang über den roten Teppich gab es diesmal nicht.

Das Bayreuther Festspielhaus war schwer bewacht. Den Zugang über den roten Teppich gab es diesmal nicht.

Der rote Teppich mit seinem Promi-Auflauf ist abgesagt. Die Franken-, Bayern- und Deutschlandflaggen, die die Auffahrt hoch zum Festspielhaus säumen, tragen Trauerflor. Auf dem Bühnenvorhang im Zuschauerraum steht vor Beginn der „Parsifal“-Premiere: „Die Bayreuther Festspiele widmen die heutige Aufführung allen Opfern der Gewalttaten der vergangenen Tage und ihren Angehörigen.“

Manchen Gästen ist nicht so ganz wohl. „Ich fühle mich bedrückt“, sagt eine Besucherin. Zwei andere Festspiel-Besucherinnen wollen sich die Freude nicht nehmen lassen. Die Ereignisse der Woche hätten sie nicht davon abgehalten, nach Bayreuth zu kommen, sagt die eine. „Niemals!“, ruft die andere.

Stille vor dem Festspielhaus

Dennoch, es ist sehr still vor dem Festspielhaus – stiller als in den Vorjahren. Lothar Würl steht hinter den Metallgittern, er ist einer der ganz wenigen Zaungäste. „Mulmiges Gefühl habe ich keines“, sagt er über die Attacken der vergangenen Tage. „Passieren kann das immer und überall. Sich vergraben bringt nichts.“

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Bayreuther Festspiele

Überschattet von den jüngsten Bluttaten haben am Montagnachmittag auf dem Grünen Hügel die 105. Bayreuther Festspiele begonnen. Die Eröffnung des weltberühmten Festivals wurde von einem großen Polizeiaufgebot gesichert. Trotz Verzichts auf roten Teppich und Staatsempfang ließ sich die Prominenz bei den Festspielen blicken.
25.07.2016
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Zwischen den Besuchern behielten Polizeibeamte die Lage im Blick.© Foto: dpa
Das Bayreuther Festspielhaus war schwer bewacht. Den Zugang über den roten Teppich gab es diesmal nicht.© Foto: dpa
Vielen Gästen – wie hier dem Schauspieler Edgar Selge – merkte man die ernste Stimmung an.© Foto: dpa
Michaela May (r.) – hier mit Fürstin Gloria – wollte mit ihrer bunten Kleidung ein Zeichen setzen.© Foto: dpa
Schauspieler Udo Wachtveitl gab Autogramme.© Foto: dpa
Die Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth, Brigitte Merk-Erbe (l.) und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, kamen ebenfalls zur Eröffnung der Festspiele.© Foto: dpa
Genauso wie Schauspieler und Regisseur Michael Lerchenberg und seine Frau Eva Maria Lerchenberg-Thöny.© Foto: dpa
Ganz in Schwarz zeigten sich der bayerische SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher und seine Lebensgefährtin Franziska Rabl.© Foto: dpa
Etwas farbenfroher hingegen die Schauspielerin Michaela May und ihr Mann, der Regisseur Bernd Schadewald.© Foto: dpa
Hatten Zeit für ein Lächeln: Regionalbischöfin Dorothea Greiner und ihr Ehemann Gottfried.© Foto: dpa
Der ehemalige bayerische Staatsminister Werner Schnappauf (CSU) und seine Lebensgefährtin Kerstin Pah.© Foto: dpa
Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl präsentierte ein farbenfrohes Kleid.© Foto: dpa
Der US-Botschafter John B. Emerson und seine Frau Kimberley.© Foto: dpa
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Das sieht auch Schauspielerin Michaela May so. „Man muss ein Zeichen setzen“, sagt sie. Dass man trotz der Angst komme. Herzlich begrüßt sie Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. Beide dürfen – wie alle Besucher – diesmal keine Sitzkissen mitnehmen, auch das aus Sicherheitsgründen. Als der Vorhang aufgeht, zeigt sich, dass in der Eröffnungsinszenierung von Uwe Eric Laufenberg das Thema Religion eine zentrale Rolle spielen wird. Der erste Aufzug spielt in einem sakralen Gebäude, das mit Flüchtlingen belegt ist.

"Parsifal" zum Auftakt

Gralskönig Amfortas, der an einer nicht heilenden Wunde leidet, wirkt wie eine Christus-Figur. Kundry, die ihm mit Balsam helfen möchte, ist hier eine Muslima. Auch wenn die mit Spannung erwartete Inszenierung erst nach Redaktionsschluss endet, so ahnt man doch schon nach dem ersten Aufzug, dass es hier nicht um einen Krieg der Religionen, sondern um Erlösung geht.

Mit Material von dpa

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