Erste Pleite: Veranstaltungsbranche liegt am Boden

hzCorona-Folgen

Wegen der Corona-Maßnahmen sind große Veranstalter zum Beispiel von Live-Konzerten gerade zur Untätigkeit verdammt. Eine Dortmunder Firma hat bereits Insolvenz anmelden müssen.

Dortmund

, 15.10.2020, 16:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus Großveranstaltungen auf absehbare Zeit unmöglich machen, liegt die Live-Branche am Boden. Das ist spätestens klar, seit Marek Lieberbergs Agentur Live Nation das geplante Konzert mit Sarah Connor und anderen Stars vor 13000 Zuschauern im Düsseldorfer Stadion absagen musste.

Die großen Veranstalter in NRW zeichnen jetzt ein düsteres Bild. Und Technik-Dienstleister beginnen schon, die Fahnen zu streichen.

Es gibt kein Geld zu verdienen

Das Problem der großen, freien Veranstalter wie Dirk Becker Entertainment, Concertteam NRW oder Handwerker Promotion erklärt Jens Michow, Präsident der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft: „Mit 100 Prozent Kosten bei 25 Prozent Auslastung lässt sich kein Geld verdienen. Schließlich schalten Zeitungen unsere Werbeanzeigen nicht günstiger und auch die Lufthansa fliegt unsere Künstler nicht zu einem Viertel des Preises sein, weil Veranstalter die Spielstätten nicht auslasten dürfen. Und selbst die können nicht einfach auf drei Viertel ihres Mietpreises verzichten.“

Agentur aus Unna hat eine Pandemie-Versicherung

Bei den Veranstaltern macht sich so Frust breit: „Wir haben erst versucht, viele Veranstaltungen in den Herbst zu schieben, dann ins Frühjahr, dann in den Sommer“, berichtete Bernhard Lewkowicz von Concertteam NRW. „Das Spiel machen wir jetzt wahrscheinlich so lange weiter, bis wir pleite sind. Meine Mitarbeiter sind gerade in Kurzarbeit – und ich stocke auf 100 Prozent des Lohns auf, so lange ich kann.“

Bei der Demo wurde die Veranstaltungsbranche bereits symbolisch begraben.

Bei der Demo wurde die Veranstaltungsbranche bereits symbolisch begraben. © dpa

In einer etwas komfortableren Lage ist die Agentur Handwerker Promotion aus Unna. „Als Teil der Deutschen Entertainment AG verfügen wir über eine Pandemie-Versicherung“, sagt Geschäftsführer Fred Handwerker (Foto). „Sie deckt durch Verlegungen und Absagen entstandene Kosten.“ Ansonsten sieht er schwarz: „Das Virus wird uns noch lange beschäftigen. Unter Veranstaltern, die eigentlich gern gestalten und improvisieren machen sich jetzt Langeweile und Frust breit, eine gewisse Depression tritt da auf.“

Dortmunder Firma musste Insolvenzverfahren eröffnen

Dazu kommt, dass die für die Branche so wichtigen Technik-Dienstleister teilweise schon aufgeben (müssen): Die Firma Pactor aus Dortmund zum Beispiel hat gleich zu Beginn der Pandemie ein Insolvenzverfahren eröffnet. Bis dahin war sie Marktführer in der Veranstaltungslogistik und hat unzählige Events auf- und abgebaut, von Arena-Konzerten in NRW bis zur UN-Klimakonferenz.

Der ehemalige Senior Manager Bernd Hagen macht sich keine allzu großen Hoffnungen, dass das Veranstaltungssegment bald wieder durchstarten kann: „Die virtuelle Linie ist Mai 2021, aber ich glaube das nicht.“ Große Konferenzen oder Messen planten auch für das nächste Jahr schon mit Online-Ausgaben. Und auf Veranstaltungen spezialisierte Techniker wanderten ab. Die Überbrückungshilfen oder Kreditangebote des Bundes würden nicht greifen, gerade für die Solo-Selbstständigen der Branche.

Hoffnung nur in einem Punkt

Wenigstens in diesem Punkt hat Jens Michow vom Bundesverband Hoffnung: „Durch Gespräche unter anderem mit Olaf Scholz haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Politik unsere Lage erkannt hat und auch bereit ist, zielgerichteter zu helfen. So hat der Bundesfinanzminister zugesagt, über ein für die Branche maßgeschneidertes Programm nachzudenken.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt