Ex-Feuerwehrmann nebelt schlafenden Obdachlosen mit Feuerlöscher ein

hzLandgericht Bochum

Ein Ex-Feuerwehrmann gesteht, einen schlafenden Obdachlosen aus Spaß mit einem Pulver-Feuerlöscher eingenebelt zu haben. Ein Sachverständiger stuft die Aktion indirekt als harmlos ein.

von Werner von Braunschweig

Bochum

, 27.08.2020, 19:14 Uhr / Lesedauer: 1 min

Im zweiten Prozess um die Aufsehen erregende Brandserie rund um den alten Bahnhof in Herten hat ein Rechtsmediziner dem Angeklagten am Donnerstag Erleichterung verschafft. Der Arzt stufte den von dem Ex-Feuerwehrmann bereits eingeräumten Feuerlöscher-Anschlag auf einen schlafenden Obdachlosen als „nicht lebensgefährlich“ ein.

Angeklagter gab Tat sofort zu

Das ehemalige Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Hamm hat beim Prozessauftakt vor zwei Wochen am Bochumer Landgericht sofort zugegeben, am 17. Oktober 2017 einen im Westerholter Bahnhofsgebäude schlafenden Obdachlosen mit dem Inhalt eines Sechs-Kilo-Pulver-Feuerlöschers eingenebelt zu haben. „Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum. Aber ich bereue das sehr“, hatte der 32-jährige Angeklagte erklärt. Laut Anklage hatte der Obdachlose seinerzeit zwar mehrfach „geröchelt“, aber letztlich weitergeschlafen.

Rechtsmediziner Dr. Andreas Freislederer erklärte, dass die in Pulverfeuerlöschern üblicherweise verwendeten Substanzen jedoch „keine Schadstoffe“ enthalten. Auch wenn das Löschpulver ultrafein vermahlen sei, seien die einzelnen Teilchen immer noch „zu groß“, um für eine Schädigung der Lunge sorgen zu können. „Der Geschädigte wird hier sicher für einige Zeit Schwierigkeiten gehabt haben. Nachhaltige Schädigungen sind hier aber nicht zu erwarten“, hieß es.

Brandlegungen am Bahnhof Westerholt

Durch die Abschwächung der Gefährlichkeit ist eine Verurteilung des Ex-Feuerwehrmannes wegen gefährlicher Körperverletzung rechtlich nahezu nicht mehr zu begründen. Mit Blick auf die zusätzlich angeklagten drei Brandlegungen am Bahnhof Westerholt ist nach wie vor unklar, inwieweit der 32-Jährige dafür verantwortlich gemacht werden kann.

Der Angeklagte streitet zwar nicht ab, im Herbst 2017 fast jede Nacht mit dem bereits verurteilten Brandstifter (mehr als drei Jahre Jugendhaft), einem Ex-Jugendfeuerwehrmann, nachts im Raum Westerholt unterwegs gewesen zu sein. Dass er einen „Feuerteufel“ begleitet hat, will der jetzt Angeklagte aber angeblich erst viel später begriffen haben. In einem ersten Prozess Ende 2018 hatte der Ex-Jugendfeuerwehrmann dagegen den Angeklagten als aktiven Mittäter belastet.

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