Extrem trockene Sommer: Suche nach Antworten beim Wassersparen

hzKlimawandel

Fachleute haben in Südlohn über Möglichkeiten diskutiert, wie man in Wirtschaft und auf dem Bauernhof Wasser sparen kann. Ein nicht ganz einfaches Thema.

von Josef Barnekamp

Südlohn/Kreis

, 16.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Extrem trockene Sommer und hier und da sogar Wassermangel und öffentliche Appelle, sparsam mit dem immer kostbarer werdenden Nass umzugehen: Was die Westmünsterländer vor Jahrzehnten allenfalls aus Urlauben in südlichen Ländern kannten, hat mit dem Klimawandel auch in der heimischen Region Einzug gehalten.

Wie vor allem Wirtschaft und Landwirtschaft damit umgehen, das war am Freitag Thema einer von Kreis Borken, Landwirtschaftskammer und Wirtschaftsförderungsgesellschaft initiierten Infoveranstaltung im Haus Terhörne. „Wasser – eine (un)endliche Ressource im Kreis Borken?“ lautete die Frage, der vier Referenten und in anschließenden kleinen Fragerunden vor allem die zahlreichen Landwirte unter den rund 230 Gästen auf den Grund gingen.

230 Gäste im Haus Terhörne

Nach einer allgemeinen Einordnung von Dr. Tobias Kemper von der Energieagentur NRW („Die Folgen des Klimawandels sind nicht zu leugnen“) skizzierte Kordula Blickmann vom Kreis Borken, welche Rolle die Behörde beim Thema Wasser hat. Die Leiterin des Fachbereichs Natur und Umwelt betonte, dass der Kreis in vielen Fällen zuständig sei, wenn es darum gehe, die Erlaubnis zum „Anzapfen“ von Gewässern und Wasser in der Erde gehe.

Dabei habe die Bereitstellung von Trinkwasser stets Vorrang. Es gebe derzeit rund 700 noch gültige Erlaubnisse, Wasser abzuzapfen. Die meisten stammten aus der Landwirtschaft. In den vergangenen Jahren habe es zwischen 30 und 50 neue Anträge dafür gegeben – Tendenz steigend.

Wenn notwendig, müsse man die Wasservorräte im Kreis Borken bewirtschaften und könne, etwa in Wasserschutzgebieten, die Erteilung neuer Entnahmegenehmigungen auch stoppen. Im Anschluss skizzierte Ilona Dierschke von der Effizienzagentur NRW, dass es keineswegs nur an der Landwirtschaft sei, Wasser zu sparen.

An Beispielen zeigte sie auf, welche immensen Mengen Wasser Betriebe etwa der Lebensmittelindustrie sparen könnten, wenn sie ihr Abwasser vor Ort aufbereiteten, Abläufe anpassten oder Maschinen optimierten. Das komme nicht nur der Umwelt zugute, sondern spare auch eine Menge Geld.

„Klimawandel ist Aufgabe der Gesellschaft insgesamt“

Heinrich-Ludger Rövekamp, Chef der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer Borken, betonte, dass ein sparsamer Umgang mit Wasser Aufgabe der Gesellschaft insgesamt sei. „Der Klimawandel ist menschengemacht. Alle haften für die Folgen.“ Laut Rövekamp verbraucht die Landwirtschaft vier Prozent des Wassers in Deutschland, die Industrie 23 Prozent.

Gleichwohl werden teils immense Mengen für landwirtschaftliche Produkte verbraucht: Ein Kilo Brotweizen erfordere den Einsatz von rund 1300 Litern Wasser, bei einem Kilo Fleisch sei es das Doppelte bis Sechsfache. Um Wasser in der Landwirtschaft zu sparen, seien „neue Ideen gefragt“, betonte Rövekamp. So könne man vermehrt frühreife Getreidesorten anbauen, die Fruchtfolge ändern und den Boden so bearbeiten, dass er Wasser länger hält.

Bei Beregnungsanlagen, die allerdings nur auf einem sehr kleinen Teil der Ackerfläche im Kreis zum Einsatz kämen, gelte es, die richtige Technik einzusetzen.

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