Fahrstuhl für Fische fast fertig: Erste Tests erfolgreich

Natur

Für die Ruhrfische soll der Fluss in Essen wieder durchgängig gemacht werden. Deshalb ist ein Fischlift entstanden. Seit Anfang Juli wird getestet. Offiziell geht es im August los.

Essen

15.07.2020, 07:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch Aale können in Essen nun einen Lift benutzen.

Auch Aale können in Essen nun einen Lift benutzen. © picture alliance/Illustration

In der Ruhr in Essen können Fische jetzt Aufzug fahren. Möglich macht dies ein sogenannter Fischlift, der in den vergangenen gut zwei Jahren in das große Stauwehr am Essener Baldeneysee montiert wurde. Das Liftsystem soll Fischen wie Koppe, Aal oder Quappe auf der Suche nach Brutplätzen, Nahrung oder einem Winterquartier das ungehinderte Durchschwimmen des Flusses ermöglichen. Fast neun Meter Höhenunterschied werden so überwunden.

Seit Anfang Juli werden die verschiedenen Bauteile getestet, wie Markus Rüdel vom Ruhrverband am Mittwoch berichtete. „Die Tests verlaufen bisher sehr erfolgversprechend. Die ersten Fische nutzen bereits die neue Aufstiegsmöglichkeit von der unteren Ruhr in den Baldeneysee.“ Bis alle Komponenten abgenommen seien, stünden in den nächsten drei bis vier Wochen aber noch weitere Untersuchungen an. Offiziell in Betrieb genommen werden soll das 6,8 Millionen Euro teure System dann Mitte August.

Wie eine doppelte Schleuse

Der Lift war nötig geworden, um den Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie nachzukommen. Sie fordert, Fließgewässer für Fische und andere Lebewesen wieder durchgängig zu machen. Eine Fischtreppe wie sonst an vielen Wehren in den Ruhr kam am Baldeneysee aus Platzgründen nicht in Frage.

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Doch wie funktioniert das Liftsystem, das laut Ruhrverband NRW-weit bislang einmalig ist? Wie eine doppelte Schleuse: Die ahnungslosen Fische schwimmen dabei in einen gefluteten Transportkorb mit einem Durchmesser von 2,80 Meter, der sich in einem Zylinder auf und ab bewegen kann. Dann schließt sich eine Klappe. Geht es flussaufwärts, strömt Wasser unter den Korb und treibt das Becken nach oben.

Feinjustierung nach dem Start

Umgekehrt wird für eine Abfahrt einfach die Kammer geleert - das Becken sinkt nach unten. Am Zielort öffnet sich eine gegenüberliegende Klappe und die Fische schwimmen weiter. Damit die Fische jederzeit flussauf- und -abwärts Aufzug fahren können, gibt es zwei Lifte, die gegenläufig arbeiten.

Nach dem offiziellen Start soll das System noch ein Jahr lang feinjustiert werden. Danach soll der Betrieb noch zwei Jahre lang beobachtet werden, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Läuft alles gut, will der Ruhrverband einen zweiten Fischlift flussabwärts in Essen-Kettwig bauen.

dpa

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