Fall George Floyd: Wegen Mordes angeklagter Polizist auf Kaution frei

Rassismus

Der Tod von George Floyd hatte in den USA heftige Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Jetzt ist der wegen Mordes angeklagte Polizist überraschend wieder auf freiem Fuß.

Minneapolis

08.10.2020, 06:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Demonstranten halten Bilder von George Floyd, der am 25. Mai 2020 in Polizeigewahrsam in der US-Stadt Minneapolis getötet wurde.

Demonstranten halten Bilder von George Floyd, der am 25. Mai 2020 in Polizeigewahrsam in der US-Stadt Minneapolis getötet wurde. © picture alliance/dpa

Der im Zusammenhang mit dem Tod des Schwarzen George Floyd wegen Mordes angeklagte ehemalige Polizist ist wieder auf freiem Fuß. Derek Chauvin sei gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von einer Million Dollar aus der Haft entlassen worden, bestätigte die US-Gefängnisbehörde. Zuvor hatte unter anderem der Sender NBC News berichtet. Unklar war zunächst, woher das Geld für die Kaution kam. Eine Sprecherin eines Polizeiverbands von Minnesota sagte der Nachrichtenagentur AP, aus ihrem Fonds für den Rechtsbeistand von Polizisten sei das Geld für die Kaution nicht gekommen. Die zuständige Polizeigewerkschaft war zunächst nicht erreichbar.

Chauvin hatte die Möglichkeit, 1,25 Millionen Dollar Kaution zu zahlen und wäre dadurch ohne Auflagen bis zum Prozessbeginn frei gekommen. Da er aber eine Million zahlte, muss er bei allen Gerichtsanhörungen in dem Fall anwesend sein, darf keinen direkten oder indirekten Kontakt zu irgendeinem Angehörigen von Floyd haben, darf nicht bei der Polizei oder Sicherheitsdiensten arbeiten und auch keine Waffe besitzen.

Acht Minuten, das Knie auf den Nacken von George Floyd gedrückt

Der Polizist hatte bei dem Einsatz sein Knie in Floyds Nacken gedrückt. Drei anderen Polizisten wird Beihilfe vorgeworfen. Sie hatten bereits eine Kaution von 750.000 Dollar hinterlegt und sind ebenfalls auf freiem Fuß. Der Prozess gegen die vier soll im März 2021 beginnen. Chauvin bestreitet genauso wie die anderen an dem Einsatz beteiligten Beamten eine Schuld an Floyds Tod.

Der auf mehreren Videoaufnahmen festgehaltene Tod des 46-jährigen Floyd in Minnesota hatte heftige Proteste in den USA und anderen Ländern ausgelöst. Ein Verkäufer hatte die Polizei wegen des Verdachts gerufen, dass Floyd mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt habe. Auf den Videos ist zu sehen, wie Floyd bei der Festnahme verwirrt agiert, von Platzangst spricht und sich nicht in ein Polizeiauto setzen lässt. Die Polizisten pressen ihn schließlich auf die Straße und einer der Beamten, Derek Chauvin, drückt sein Knie rund acht Minuten lang auf seinen Nacken. Der Polizist hört damit nicht auf, während Floyd sagt, er könne nicht atmen.

Der Hauptverdächtige ist wegen Mordes zweiten und dritten Grades sowie Totschlags angeklagt. Als Mord zweiten Grades gilt, wenn der Täter ein Schwerverbrechen begehen wollte und das Opfer dabei unbeabsichtigt tötete. Mord dritten Grades entspricht in etwa Totschlag nach deutschem Recht.

RND