Fall Marvin: Corona-Fall legt Prozess vorerst lahm

hzLandgericht Bochum

Im Prozess um den Fall Marvin hat sich ein Schöffe mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt stehen erstmal alle Richter unter Quarantäne – und eine Vernehmung Marvins verschiebt sich erneut.

von Werner von Braunschweig

Bochum

, 11.11.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Corona-Alarm im Prozess um den Fall Marvin: Nachdem einer der Schöffen im Anschluss an den letzten Sitzungstag am 4. November positiv auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 getestet worden ist, stehen alle Richter der 8. Strafkammer vorerst unter Quarantäne. Der Prozess ist damit erst einmal lahmgelegt. Auch Marvins Vernehmung am 14. November ist bereits gestrichen.

Der im Prozess schweigende Angeklagte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin jahrelang in seiner Wohnung in Recklinghausen versteckt und hundertfach missbraucht haben.

Prozess soll am 21. November fortgesetzt werden

Die betroffene 8. Strafkammer hat aufgrund von Schutzmaßnahmen erst einmal die nächsten drei geplanten Verhandlungstage am 14., 16. und 17. November komplett aufgehoben. Die drei Berufsrichter wurden unter behördliche Quarantäne gestellt, ebenso die Schöffen. „Auch alle weiteren Verfahrensbeteiligten und die Justizvollzugsanstalt sind vonseiten des Gerichts unverzüglich informiert worden“, erklärte Landgerichtssprecher Michael Rehaag.

Mit Blick auf den Ablauf der zweiwöchigen Quarantänezeit am 18. November planen die Richter derzeit, den Marvin-Prozess am 21. November fortzusetzen. Ob sich das so umsetzen lässt, ist allerdings derzeit noch unklar.

Gericht weist Antrag der Verteidigung auf höchstens einstündiges Verhandeln zurück

Denn sicher ist: Unabhängig vom Quarantäne-Ablauf kann das Verfahren jedenfalls nicht ohne eine vollständige Wiedergenesung des infizierten Laienrichters fortgesetzt werden. Nach derzeitigem Stand ist rechtlich eine Maximal-Unterbrechung des Marvin-Prozesses bis Januar 2021 möglich.

Ausgerechnet am letzten Verhandlungstag hatte sich das Gericht noch ausführlich mit der Corona-Infektionsgefahr auseinandergesetzt und einen Antrag der Verteidigung auf höchstens einstündiges Verhandeln zurückgewiesen. Und dabei auf ein ganzes Bündel an Sicherheitsvorkehrungen (Frischluftzufuhr, Mund-Nasen-Schutz-Empfehlung, Abstandsmöglichkeit) verwiesen, die das Infektionsrisiko minimieren.

wvb

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