Fallada-Verfilmung ist nicht der große Wurf

66. Berlinale

Kleiner Film, was nun? Der Berlinale-Wettbewerb erreicht mit der international besetzten Fallada-Verfilmung "Jeder stirbt für sich allein" einen ersten Tiefpunkt. Der brave Europudding hat seinen Platz beim Filmfestspiel nicht verdient.

BERLIN

von Patrick Wildermann

, 15.02.2016, 15:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Eheleute Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson) bringen in der Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“ während des Nazi-Terrors subversive Postkarten unters Volk.

Die Eheleute Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson) bringen in der Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“ während des Nazi-Terrors subversive Postkarten unters Volk.

Persönlich stark, politisch heikel. Das ist die Zwischenbilanz der Berlinale. Die vermeintlich privaten Geschichten überzeugen fast durchweg. Darunter der französischer Beitrag "L’avenir" von Mia Hansen-Love. Die große Isabelle Huppert spielt eine Philosophielehrerin, die von ihrem Mann verlassen wird und vor einer ungekannten Freiheit steht. Oder "Quand on a 17 ans", der neue Film des schon 72-jährigen Regisseurs André Téchiné - der erzählt eine unaufgeregte Coming-out-Geschichte in einem französischen Bergdorf.

Kontraste auf Lampedusa

Wenn aber die Weltpolitik auf Leinwandformat gebracht werden soll, wird es schnell problematisch. Wie im Falle der Dokumentation "Fuocoammare" von Gianfranco Rosi, der den Alltag auf der Insel Lampedusa beobachtet hat. An dem ruhig bebilderten Kontrast zwischen banalen Abläufen der Bewohner und dem Sterben der dort anlandenden Flüchtlinge scheiden sich die Kritikergeister. Bären-Kandidat? Oder nur Ausdruck von Ratlosigkeit? Jedenfalls: ein Film ohne Haltung.

Das wiederum kann man der international besetzten Hans-Fallada-Verfilmung "Jeder stirbt für sich allein" von Regisseur Vincent Perez nicht vorwerfen. Der feiert den Mut der Eheleute Anna und Otto Quangel (Emma Thompson und Brendan Gleeson), die während des Nazi-Terrors subversive Postkarten unters Volk bringen.

Interessante Pressekonferenz

Bis ihnen Gestapo-Mann Escherich (Daniel Brühl mit Schnauzbart) auf die Schliche kommt. Entstanden ist leider ein braver Europudding, der im Fernsehen seinen Platz hätte, nicht auf einem Festival wie der Berlinale. Immerhin - die Pressekonferenz wurde interessant! Weil Thompson und Brühl gleich eingangs gefragt wurden, was sie denn von Pegida hielten? Die Britin gibt vornehm weiter. Brühl wird deutlich und mahnt, wir müssten "aktuell wieder aufpassen", uns vom rechten Geist "nicht vergiften zu lassen".