Falsche Fuffziger: War alles nur Pokergeld?

Amtsgericht Recklinghausen

Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Waltrop findet die Polizei ein Bündel Falschgeld. Vor Gericht entpuppt sich der Fall jedoch als etwas vertrackt.

Waltrop/ Recklinghausen

, 04.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Wohnung einer 20-Jährigen aus Waltrop stoßen die Beamten zufällig auf einen Bündel Falschgeld.

In der Wohnung einer 20-Jährigen aus Waltrop stoßen die Beamten zufällig auf einen Bündel Falschgeld. © Jörn Hartwich

Da staunten die Polizeibeamten nicht schlecht. Als sie vor rund einem Jahr die Wohnung einer jungen Frau in Waltrop durchsuchten, hatten sie es eigentlich auf Drogen abgesehen. Doch dann fiel ihnen plötzlich ein Bündel Falschgeld in die Hände. Vor Gericht überraschte die 20-Jährige am Mittwoch mit einer einfachen Erklärung.

„Nie meine Wohnung verlassen“

Nach ihren Angaben war alles nur Pokergeld – um das Spiel etwas echter aussehen zu lassen. „Es hat nie meine Wohnung verlassen“, sagte sie am Mittwoch im Prozess am Amtsgericht Recklinghausen. An echte Einkäufe habe sie nicht gedacht.

Bei dem Geld handelte es sich um 28 falsche Fuffziger, also insgesamt um Blüten mit einem Nennwert von 1240 Euro.

Die Deutsche Bundesbank hatte dazu später in einem Kurzgutachten geschrieben, dass die Scheine zwar im Detail verändert, im Zahlungsverkehr aber grundsätzlich mit echtem Geld zu verwechseln seien. Was allerdings doch etwas überrascht.

Kleiner Warnhinweis aufgedruckt

Tatsächlich waren die Blüten mit einem Extra-Aufdruck versehen. Der war zwar klein, aber eindeutig: „Invalid“ stand darauf. Ungültig.

Die Angeklagte war sich deshalb auch keiner Schuld bewusst. Sie behauptete, dass das Falschgeld an Silvester 2018 von Freunden mit in ihre Wohnung gebracht worden sie. „Damit haben die dann gepokert“, sagte sie den Richtern. Sie selbst habe es dann später einfach zur Seite gelegt. Wer das Falschgeld ursprünglich besessen habe, wisse sie nicht mehr.

Auch dafür, dass auf den Scheinen die Fingerabdrücke ihres Freundes gefunden worden sind, hatte sie vor Gericht eine Erklärung. „Der hat sie sich einfach nur mal angeguckt.“

„Will niemanden reinreißen“

Wer damals sonst noch mit in ihrer Wohnung war, wollte die Waltroperin im Prozess nicht verraten. „Das weiß ich nicht mehr“, so ihre erste Antwort. Um dann später noch zu ergänzen: „Ich möchte da keinen reinreißen.“

Bis jetzt gibt es zwar offenbar noch keine Beweise dafür gibt, dass sie das Falschgeld wirklich in Umlauf bringen wollte. Für einen sofortigen Freispruch war es Staatsanwaltschaft und Gericht aber dann doch noch etwas zu früh. Sie wollen jetzt ermitteln, wer noch mit zur angeblichen Pokerrunde gehörte, um den Prozess dann mit Zeugen noch einmal neu zu beginnen.

jh

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