Fischsterben hat gerichtliches Nachspiel - Burloer Gärtnerei als Verursacher ermittelt

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Das Landgericht Münster hat den Burloer Gartenbaubetrieb, der vor drei Jahren ein Fischsterben verursacht hat, zu Schadenersatz verurteilt. Die Firma will in Berufung gehen.

von Sabine Hecker

Rhede

, 03.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Brühe aus Kalkfarbe und Lösungsmittel floss vor fast drei Jahren durch den Rheder Bach. Unzählige Fische starben. Als Verursacher machten Untere Wasserbehörde und Polizei eine Gärtnerei in Burlo aus.

Der Kreis Borken stellte Strafanzeige, das Verfahren wurde später gegen eine Geldauflage im fünfstelligen Bereich eingestellt. Auch die Stadtwerke Rhede verklagten das Unternehmen.

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Dieses Verfahren zog sich. Inzwischen hat das Landgericht Münster entschieden und die Firma verurteilt, Schadenersatz in Höhe von 6325,95 Euro zu zahlen – für Gutachten, die die Stadtwerke nach dem Vorfall in Auftrag gegeben hatte.

Kalkfarbe mit Lösungsmittel entfernt

Als „eine Riesen-Sauerei“ bezeichnete Rhedes Feuerwehrchef Christoph Terwiel im September 2016, was geschehen war. Der beklagte Gartenbaubetrieb in Burlo verdunkelt im Sommer seine Gewächshäuser mit einer Kalkfarbe, die im Herbst mit einem Lösungsmittel entfernt wird.

Die Reste müssen eigentlich aufgefangen und entsorgt werden. Im September 2016 war das Mittel an einem Donnerstag aufgebracht worden, sollte nach Angaben des Betriebsleiters über Nacht einwirken und am nächsten Tag abgewaschen werden. Durch ein Gewitter wurde es jedoch bereits am Freitag abgespült, die Brühe gelangte durch einen geöffneten Schieber des Auffangbeckens in den Rheder Bach, wo es zu dem Fischsterben kam.

Fische „elendig verreckt“

„Ich habe gesehen, wie die Fische elendig verreckt sind“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Ronald Heinze. Die Stadtwerke werfen dem Unternehmen vor, es hätte an diesem Abend mit Regen rechnen müssen. Zudem hätte die Firma schon längst keinen Schieber mehr haben dürfen.

Der Kreis Borken hatte im Jahr davor angeordnet, die Gärtnerei dürfe kein Abwasser mehr in den Bach leiten und müsse ihr Wasser in einem Regenwasserbecken auffangen. Laut einem Gesprächsvermerk des Kreises Borken hatte der Betriebsleiter in einem ersten Gespräch erklärt, den Schieber bewusst geöffnet zu haben, weil er sich sonst „sein Regenwasser versaut“ hätte.

Vor Gericht hieß es seitens des Unternehmens, der Regen sei unerwartet gekommen und hätte das Fassungsvermögen der Silos überstiegen. Deshalb sei das Wasser in den Graben geflossen.

Firma bestreitet Schädigung des Baches

Zudem bestreitet die Firma, dass der Bach geschädigt worden sei und führt das Fischsterben auf Sauerstoffmangel bei Blaualgenbefall und die Trockenheit zurück. Das Gericht folgte dem nicht.

Es zeigt sich überzeugt, dass die Firma das Gemisch vorsätzlich in den Bach geleitet hatte – so wie in den Jahren zuvor auch – um Entsorgungskosten zu sparen. Die Geschäftsführer und der Betriebsleiter hätten „offensichlich keinerlei Problembewusstsein und ohne das Eingreifen des Kreises die Einleitung weiter fortgesetzt“, heißt es in dem Urteil des Landgerichts.

Wassergefährdender Stoff schädigte Biosysstem des Baches

Unstrittig ist für die Richter zudem, dass es sich bei dem Gemisch um einen wassergefährdenden Stoff handelt, der das „gesamte Biosystem des Bachs“ geschädigt habe.

„Der Rheder Bach ist der Vorfluter für unser Wasserwerk“, erläutert Heinze. Die Stadtwerke hätten deshalb nach dem Fischsterben etwas tun müssen. „Für uns sind die Fische ein biologisches Messgerät“, sagt Heinze.

Die Stadtwerke hatten auf Schadenersatz für Untersuchungen in Höhe von knapp 9.000 Euro geklagt. Das Gericht verurteilte die Gartenbaufirma, rund 6.300 Euro zu zahlen.

Teil des Geldes geht an Landesfischereiverband

Der Kreis Borken als Untere Wasserbehörde hatte 2016 das Fischsterben untersucht, die Staatsanwaltschaft Münster hatte ein Ermittlungsverfahren gegen drei mögliche Verantwortliche eingeleitet.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Münster wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt. Jeder der drei Beschuldigten habe eine „Geldauflage im fünfstelligen Bereich“ zahlen müssen, teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage weiter mit. Von diesem Geld sei ein Teil an die Staatskasse, ein Teil an den Landesfischereiverband gegangen.
Beklagte Seite mit Urteil nicht einverstanden

Die fischereirechtliche Untersuchung wäre nach Ansicht des Gerichts nicht notwendig gewesen, erläutert Rechtsanwalt Dr. Dieter Wigger, der die Stadtwerke vertritt. Und: „Wir sind zufrieden mit dem Urteil.“

Gleichwohl bereitet sich Wigger auf eine Fortsetzung vor dem Oberlandesgericht vor. „Die Gegenseite hat Berufung eingelegt.“ Die Gärtnerei verweist auf Nachfrage zu dem Verfahren auf ihre Versicherung, deren Anwältin aus Urlaubsgründen allerdings nicht zu erreichen war.

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