Flirt zweier Legenden: Lang Lang und Herbie Hancock spielten einziges Konzert in Deutschland

Klavier-Festival Ruhr

ESSEN Jeder der beiden Pianisten hätte die Philharmonie Essen mühelos alleine gefüllt - zusammen rissen Lang Lang und Herbie Hancock beim Klavier-Festival Ruhr nach ihrem einzigen gemeinsamen Konzert in Deutschland 2000 Zuhörer zu Ovationen hin.

von Von Julia Gaß

, 12.07.2009, 13:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Flirt zweier Legenden: Lang Lang und Herbie Hancock spielten einziges Konzert in Deutschland

Zwei Superstars spielten vierhändig: Lang Lang und Herbie Hancock rissen das Publikum in der ausverkauften Philharmonie Essen zu Ovationen hin.

Der Altmeister des Jazz kehrte zurück zu seinen Wurzeln, zur klassischen Musik. Und der Jungstar der Klassik flirtete mit dem Jazz. - Die Idee zu diesem Experiment hatten der 69-jährige Amerikaner und der 27-jährige Chinese im vergangenen Jahr, als sie bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles zusammen improvisierten.

Das Improvisieren musste Herbie Hancock im Konzert für zwei Klaviere von Ralph Vaughan Williams erst mal ausblenden. Der Jazzpianist, der sonst so frei und meist lächelnd Klavier spielt, konzentrierte sich sehr auf die Noten. In diesem cineastischen Breitraumklang, den die Neue Philharmonie Westfalen, die man unter Leitung des quirligen Texaners John Axelrod so gut wie selten hörte, sehr laut und monumental dazu lieferte, wirkte Lang Lang gelöster. Auch den Walzer im dritten Satz tanzte er innerlich und mit dem Körper mehr mit.

Inspiration

Der Tonangebende war auch in Raveles "Ma mère l'oye" für Klavier zu vier Händen Lang Lang - auch, wenn das impressionistische Märchen von "Mutter Gans" dem Naturell beider Pianisten nicht ganz entsprach. Spaß an großen Nähe, an Händen, die übereinander griffen, an gegenseitigen Momenten von Inspiration hatten die beiden Klavierlegenden trotzdem. Und das Publikum auch. Allerdings wirkte Hancock am Abend zuvor, beim gemeinsamen Spiel mit Chick Corea in Dortmund, glücklicher.

Fast so glücklich wie nach der Pause in Gershwins "Rhapsody in Blue" für zwei Klaviere und Orchester. Das war eine Broadway-Show ganz nach dem Geschmack des jubelnden Publikums, bei der beide Tastenstars auch in den Tempi, die fast in jedem Takt wechselten, nach Herzenslust improvisierten, sich gegenseitig aufpeitschten und anregten. Wild, mitreißend, nach Technikfeuerwerk und Blues klang dieser Gershwin der beiden Superstars.

Souveränität

In zwei Debussy-Préludes, im Pianissimo auf die Tasten gehaucht, wollte Lang Lang auch zeigen, dass er ebenso viel Seele wie technische Souveränität hat. Hancock antworte genauso gefühlvoll in seinem Solo mit seinem Klassiker "Dolphin Dance".

Es war ein Flirt zweier Legenden, ein bisschen auch ein Blinddate.- Die große Liebe wird es wohl nicht.

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