Folkwang will Museum für alle sein

Führungen auf Türkisch

Wenn Samira Yildirim Besucher durch das Essener Folkwang-Museum führt, hat sie nie Zettel in der Hand. An jedem zweiten Donnerstag aber ist das anders: Denn da hält sie ihre Führung auf Türkisch. Ein neues Angebot des Museums.

ESSEN

, 17.07.2015, 17:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Samira Yildirim (r.) führt Ina Seeberg durchs Museum. Die beiden sprechen Türkisch.

Samira Yildirim (r.) führt Ina Seeberg durchs Museum. Die beiden sprechen Türkisch.

Yildirim ist in Deutschland geboren. Ihr Vater ist Türke. Weil zu Hause selten Türkisch gesprochen wurde, ist ihr Türkisch „nicht perfekt“, sagt sie. Deswegen hatte sie sich intensiv vorbereitet. Hatte „Vordergrund“, „Hintergrund“ und „pastose Pinselführung“ übersetzt und sich viele Notizen gemacht.

Bei der ersten Führung ist nur eine Zuhörerin anwesend: Ina Seeberg. Die hat keine türkischen Wurzeln, aber ein Buch über eine türkische Familie geschrieben. Sich dabei in die dem Deutschen so ferne Sprache verliebt. Im Folkwang-Museum ist Ina Seeberg schon „100 Mal“ gewesen, aber Yildirims Premiere, die wollte sie sich nicht entgehen lassen.

Willkommensgeste

Peter Daners, Kurator für Bildung und Vermittlung, sieht die Führung auf Türkisch als Willkommensgeste – und als Experiment. „Wir beginnen mit der Sprache einer der größten Gemeinschaften in Essen, und wenn das Angebot ankommt, werden andere Sprachen folgen.“

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Angesprochen werden sollen Kunstinteressierte, die über relativ geringe deutsche Sprachkenntnisse verfügen, und Besucher mit türkischen Wurzeln, die zwar gut Deutsch sprechen, sich aber in ihrer Muttersprache über die Kunst unterhalten wollen. „So fällt es leichter, sich auszudrücken und über komplexe Zusammenhänge zu sprechen“, sagt Daners.

Nicht elitär

Das Folkwang-Museum solle für alle da sein – und sei nicht so elitär, wie viele denken würden. Darum werden Hemmschwellen abgebaut. Um die türkische Gemeinschaft zu erreichen, hat man Vereine und Verbände kontaktiert, Menschen auf der Straße angesprochen. Yildirim hofft, dass das Interesse wächst. Und dass sie bald keine Zettel mehr braucht.  

Infos zu den Führungen auf Türkisch gibt es beim .

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